Buchcover von meinem Roman »Das Spiel der Ketzerin«. Eine junge Frau in einem roten mittelalterlichen Kleid umfasst ein Streichinstrument. Im Hintergrund fällt die Sonne durch die Butzenglasscheiben einer Fensternische mit steinerner Sitzbank hinter einem roten Vorhang.

"Das Spiel der Ketzerin"

Mitreißende Mittelalterromane mit Herz und scharfer Zunge

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Das Spiel der Ketzerin

Leseprobe

Die Flucht in eine Lüge, die droht, ihr Glück zu zerstören


Über den Verfolger:

Richard von Thurau ist Deutschordensritter und das mit ganzem Herzen. Der Kampf für das Gute, für den Orden und für die Einhaltung der Regeln ist seine Lebensaufgabe. Als er den Auftrag der Verfolgung und Ergreifung einer diebischen Jüdin erhält, nimmt er ihn, ohne zu zögern an. Selbstverständlich muss die junge Frau für ihre Taten geradestehen und ihre gerechte Strafe erhalten.
Er hat Glück. Schon bald trifft er auf die kleine Reisegruppe und kann sie in seine Gewalt bringen. Doch Richard hat nicht mit dem Temperament und Charisma der jungen Sara gerechnet, die ihn plötzlich so viele seiner Wahrheiten in Frage stellen lässt.


Besser lesbar schwarz auf weiß:

Icon geöffnetes Buch[PDF] "Das Spiel der Ketzerin" Leseprobe / Kapitel 1


Kapitel 1

Juni 1235


L ieses Hände streichelten den saphirfarbenen Surcot. Die Magd seufzte leise. »Warum nur wollt Ihr das kostbare Linnen nicht tragen, Herrin? Nur für ein paar Augenblicke, ich werde es auch niemandem verraten.«

Alida strich eine ihrer braunen Locken hinters Ohr. »Aber Liese«, tadelte sie. »Ich hätte Gewissensbisse und der Herr sieht ohnehin alles.« Sie deutete mit dem Zeigefinger an die Decke, um Liese deutlich zu machen, dass sie Gott meinte, und nicht ihren Vater, den Grafen Eduard von Erkenwald.

»Wollt Ihr wirklich auf jegliche Farbe an Eurem Leib verzichten, solange der Graf fern der Burg weilt?«

»So lautet mein Versprechen. Ich will meinem Vater beweisen, dass ich wahrlich bemüht bin, eine folgsame Tochter zu werden, auf die er stolz sein kann.« Alida entging nicht das kurze Zucken um Lieses Mundwinkel, ehe sich die Magd wieder der Tunika zuwandte. »Was hast du?«, fragte sie scharf.

Liese seufzte hörbar auf und drehte sich erneut um. »Meine Meinung ist unwichtig, edles Fräulein. Sie sollte Euch nicht kümmern.«

»Du bist schon so lange in meinen Diensten und ich vertraue dir«, widersprach Alida. »Rede frei heraus.«

Dennoch zögerte Liese kurz, ehe sie antwortete: »Ihr könnt nichts dafür, dass Ihr so seid. In Euren Adern fließt das temperamentvolle Blut Eures Vaters. Da er nach dem Tode Eurer Mutter nie eine andere zur Gemahlin nahm, fehlte Euch die weibliche Hand der Führung und Anleitung.«

»Du vergisst meine Amme und meine strenge Tante«, rief Alida ihr ins Gedächtnis.

»Die beide schon vor Jahren von uns gegangen sind. Sie konnten ohnehin kaum Einfluss nehmen. Ihr habt lieber Euren Vater gebeten, Euch mit auf die Jagd zu nehmen, anstatt das Sticken zu erlernen.«

Alida von Erkenwald stemmte die Hände in die Hüften. »Dafür kann ich aber singen und musizieren. Außerdem ist meine zugegebenermaßen etwas freie Erziehung keine Entschuldigung. Sobald Vater vom König zurückkehrt, fangen wir mit den Hochzeitsvorbereitungen an. Ich werde bald Dankwarts Haushalt führen und will, dass er und seine Eltern sich meiner nicht schämen müssen.«

»Die guten Vorsätze ehren Euch. Zum Glück liebt Euch Herr Dankwart so wie Ihr seid.«

Alida lächelte kurz, ehe ihr das immer ein wenig verbissen wirkende Gesicht von Dankwarts Mutter in den Sinn kam. Die Herrin von Heymberg war nicht erfreut über die Verbindung der beiden gräflichen Häuser. Doch Dankwarts und Alidas Väter hatten diese Vereinbarung schon vor sehr langer Zeit getroffen, als ihre Kinder noch im Hof Nachlaufen gespielt und die Mauernischen für Versteckspiele genutzt hatten.

Energisch wedelte Alida mit der Hand durch die Luft, um die Gedanken an ihre zukünftige Schwiegermutter zu vertreiben.

»Gerade fällt mir etwas ein, wie wir uns die Zeit bis zum Nachtmahl vertreiben können«, rief sie impulsiv. »Los, Liese, jetzt verwandeln wir dich für kurze Zeit in eine Grafentochter.«

Schwungvoll riss sie der überraschten Magd die Haube vom Kopf und setzte sie sich selbst auf. »Komm, zieh du das Kleid an.«

»Aber Fräulein Alida, das geht doch nicht!«

»Eine weitere Gelegenheit, solchen Stoff zu tragen, wirst du in deinem Leben vielleicht nicht mehr bekommen«, brachte Alida Lieses ohnehin schwachen Widerstand zum Schmelzen.



V orsichtig, als wäre der Surcot zerbrechlich, hob Liese ihn aus der Truhe. Die Magd warf ihrer Herrin einen letzten fragenden Blick zu, ehe sie sich ihre Tunika aus dunkelbrauner Wolle über den Kopf zog.

Alida half Liese dabei, den blauen Stoff über ihr leicht angeschmutztes Untergewand zu streifen.

»Großartig«, freute sie sich und klatschte in die Hände, ehe sie ihr eigenes Übergewand auszog.

»Aber Herrin«, rief Liese entsetzt. »Was macht Ihr denn da?«

»Wenn du heute Nachmittag die Grafentochter bist, muss ich ja zwangsläufig deine Magd sein.«

Alida lächelte verschmitzt, als sie ihren grün gefärbten Surcot sorgsam in die Truhe legte und Lieses Tunika über ihre fein gewebte Cotte zog.
Sie drehte sich mit ausgebreiteten Armen einmal im Kreis. »Wie sehe ich aus?«

»Ungewohnt«, kicherte Liese. »Aber auf den ersten Blick schon überzeugend.«

»Und jetzt kümmere ich mich um dein Haar.«

Alida wies die verblüffte Magd an, sich auf den Faltstuhl zu setzen, der neben dem Kamin stand. Dann trat die Grafentochter an den kleinen Tisch in der Nähe der Bettstatt und öffnete das hölzerne Kästchen, in dem sie auch ihre Schmuckstücke aufbewahrte. Sie griff nach dem kunstvoll geschnitzten Kamm aus Hirschgeweih und trat hinter Liese.

Wie ihre Magd es schon so oft bei ihr getan hatte, öffnete sie zunächst den Zopf und kämmte sorgfältig die blonden Strähnen, die weit über Lieses Schultern reichten.

»Um deine Haarfarbe beneide ich dich«, murmelte Alida und dachte mit Bedauern an ihre eigenen dunkelbraunen Locken. »Der Surcot passt ausgezeichnet zu deinen blauen Augen, genau wie deine Tunika zu meinen.«

»Aber Herrin, mein Gewand hat die Farbe des Schlamms aus unserem Schweinestall. In Euren Augen hingegen brennt ein dunkles Feuer und sie leuchten wie die bronzene Handglocke in unserer Kapelle.«

»Meine Augen erwecken in dir also das Bild einer brennenden Kirchenglocke?« Alida wusste nicht, ob sie lachen oder sich ärgern sollte.

»Aber nein, Herrin, so habe ich das doch gar nicht gemeint«, verteidigte sich Liese schnell.

»Lass gut sein«, winkte Alida ab und teilte die goldblonden Haare in drei gleich dicke Strähnen. Für eine Weile schwieg sie, war ganz darauf bedacht, den Zopf gleichmäßig zu flechten. Sie band das Ende gerade zusammen, als das Klappern vieler Pferdehufe vom unebenen Kopfsteinpflaster des Vorhofs in ihre Kemenate heraufdrang. Sofort ließ sie den Zopf los und eilte zur Fensteröffnung.



E inige Männer waren in die Burg geritten. An ihren weißen Waffenröcken mit dem schwarzen Kreuz auf der Brust erkannte Alida sie als Ritter des Deutschen Ordens. Auch Männer mit grauen Mänteln befanden sich darunter.

Volkmar von Alpach, der Truchsess von Erkenwald, ging den Neuankömmlingen entgegen. Mit zusammengekniffenen Augen beobachtete Alida, wie der vorderste der Ritter ihm eine Pergamentrolle überreichte, während die Stallknechte dienstbeflissen herbeiliefen, um die Pferde zu versorgen.

Alida hatte den Eindruck, als würde der starke Volkmar ein wenig schwanken, als er dem Ritter das Pergament zurückgab. Ihr Herz begann schneller zu schlagen. Brachten die Männer Nachricht von ihrem Vater? Sie wusste, dass Kaiser Friedrich von Hohenstaufen dem Orden sehr zugetan war und dessen Hochmeister, Hermann von Salza, zu seinen engsten Beratern zählte. Es war also durchaus möglich, dass die Reiter im Auftrag des Staufers kamen.

Die Männer stiegen ab, übergaben den Knechten die Pferde und folgten dem Truchsess ins Hauptgebäude. Sicherlich würden sie im Palas bewirtet werden und Alida hatte die Pflicht, sie als Gastgeberin zu begrüßen.

»Wir haben Besuch von einigen Deutschordensrittern bekommen«, klärte Alida ihre Magd auf. »Ich werde ihnen später meine Aufwartung machen müssen. Unser kleines Spiel findet sein Ende leider schneller als gedacht.«

Sorgenvoll ließ sie sich auf die Sitzbank in der Fensternische sinken. »Sie haben Volkmar eine Nachricht übergeben. Bestimmt betrifft sie meinen Vater. Wenn ihm nur nichts zugestoßen ist.«

Liese erhob sich und ging auf Alida zu. »Sorgt Euch nicht, Herrin. Wenn es wirklich schlimm wäre, würde Volkmar doch direkt hierherkommen.«

»Du hast recht«, gab sie zu und wollte gerade erleichtert aufatmen, als sie die schweren Schritte mehrerer Paar Stiefel vernahm. Sie näherten sich schnell über die steinernen Stufen, die zu ihrer Kemenate führten. Auch Liese hatte sie gehört und sah ihre Herrin verängstigt an. »Was machen wir denn jetzt?«

Alida sprang auf und stellte sich neben Liese. »Gar nichts. Uns bleibt keine Zeit mehr, die Kleider zu tauschen. Hör dir an, was die Männer zu sagen haben, lächle und sage bei allem, du müsstest noch darüber nachdenken und dich beraten«, stieß Alida hastig hervor.


Das Spiel der Ketzerin

Historischer Roman

HarperCollins
480 Seiten
ISBN: 978-3-74990-148-7
Taschenbuch: 11,00 Euro
E-Book: 8,99 Euro


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