Buchcover von meinem Roman »Das Spiel der Ketzerin«. Eine junge Frau in einem roten mittelalterlichen Kleid umfasst ein Streichinstrument. Im Hintergrund fällt die Sonne durch die Butzenglasscheiben einer Fensternische mit steinerner Sitzbank hinter einem roten Vorhang.

"Das Spiel der Ketzerin"

Mitreißende Mittelalterromane mit Herz und scharfer Zunge

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Das Spiel der Ketzerin

Leseprobe

Die Flucht in eine Lüge, die droht, ihr Glück zu zerstören




E inen Wimpernschlag später wurde die Tür aufgerissen. Das durchdringende Quietschen gemahnte Alida an ihre vergessenen Pflichten, sie ölen zu lassen. Volkmar trat herein, gefolgt von zwei Deutschordensrittern. Der Truchsess stutzte merklich, als er die beiden Frauen sah, verneigte sich jedoch vor Liese. »Herrin, diese Ritter des Glaubens wünschen dringend mit Euch zu sprechen. Sie bringen Nachricht von Eurem Vater.«

»Ist ihm etwas zugestoßen?«, rief Alida, völlig vergessend, was sie Liese eben noch geraten hatte. Der ältere der beiden Ritter, ein hagerer Mann mit einem kleinen Kinnbart und einer kühn geschwungenen Nase, warf ihr einen scharfen Blick zu. Volkmar schüttelte warnend den Kopf.

»Das ist Konrad von Westerburg«, stellte er den Mann an Liese gewandt vor. »Er …«

Doch der Ritter gebot dem Truchsess mit erhobener Hand zu schweigen. »Ich bin der neue Komtur von Erkenwald«, sagte er kalt.

»Aber …«, entfuhr es Alida.

Die Halsschlagadern von Westerburgs schwollen an. »Von Alpach, schafft mir dieses vorlaute Weibsbild aus den Augen. Ich will mit Graf Erkenwalds Tochter allein sprechen.«

Der Truchsess packte Alida am Oberarm. »Du kommst jetzt besser mit mir«, beschwor er sie eindringlich.

So schwer es ihr auch in diesem Augenblick fiel, sie vertraute dem Mann, den sie schon ihr ganzes Leben lang kannte, vollkommen. Ohne Widerstand zu leisten, ließ sie sich von ihm nach draußen geleiten. Mit einem Blick über die Schulter nickte sie Liese noch einmal aufmunternd zu. Und sah dabei, wie Konrad von Westerburg ihr das Pergament überreichte, das Liese mit spitzen Fingern entgegennahm.

Das angehängte Siegel schaukelte leicht, als sie die Urkunde ratlos betrachtete. Da die Magd nicht lesen konnte, würde sie auch keine unbedachte Äußerung von sich geben.

Volkmar atmete hörbar auf, als er die Tür hinter ihnen schloss. Alida holte Luft, um etwas zu sagen, doch der Truchsess legte den Finger an die Lippen. »Euer Vater lebt, ist aber beim Kaiser in Ungnade gefallen. Auf dem Pergament bestätigt seine Majestät, dass er Erkenwald dem Deutschen Orden überlässt, um hier eine Kommende einzurichten«, flüsterte er.

»Das kann der Kaiser doch nicht machen«, fuhr Alida auf, um sofort wieder ihre Stimme zu senken. »Vater ist Friedrich treu ergeben. Er ist doch nur zu König Heinrich gereist, um ihn zum Einlenken im Zerwürfnis mit seinem Vater, dem Kaiser, zu bewegen und ihn davon zu überzeugen, sich zu unterwerfen.«

Alida war es ein Rätsel, wie Graf Eduard beim Kaiser in Ungnade gefallen sein konnte. Jeder wusste, wie unzufrieden Friedrich mit dem schwankenden Regiment seines königlichen Sohnes war, dessen Entscheidungen und Anordnungen er teilweise sogar rückgängig gemacht hatte. Die Fürsten hatten dem Kaiser sogar geschworen, im Falle eines Bruchs zwischen Vater und Sohn ihre Treuebindung an den König für gelöst zu betrachten und Friedrich zu unterstützen.

Heinrich rebellierte nun offen gegen den Vater und Eduard von Erkenwald sah es als seine Pflicht an, den jungen König an seinen Gehorsamsschwur gegenüber dem kaiserlichen Vater zu erinnern. Niemals jedoch würde er Friedrich verraten und dessen Sohn unterstützen.

Entweder lag hier ein fürchterliches Missverständnis vor oder jemand trieb ein falsches Spiel. Vielleicht war das Siegel an dem Pergament, das der Komtur mitgebracht hatte, gefälscht. Doch Volkmar schüttelte den Kopf, als Alida ihre Vermutung äußerte.

»Es ist das kaiserliche Siegel«, antwortete er bestimmt. »Die Vorderseite zeigt ihn mit einigen Reichsinsignien auf dem Thron sitzend und die Rückseite einen Torturm. Ich habe keinen Zweifel an der Echtheit.«

»Es könnte auch sein, dass es seiner Majestät für die Siegelung entwendet wurde«, vermutete Alida, während sie sich ein paar Schritte von der Tür entfernten.

»Und seine Unterschrift wurde auch gefälscht?«, fragte Volkmar zynisch. »Ich fürchte, Ihr müsst Euch damit abfinden, dass dieses Schreiben echt ist.«



I ch werde diesem geiernasigen Rittermönch da drinnen bestimmt nicht kampflos den Besitz meines Vaters überlassen, und wenn ich dafür selbst zum Kaiser reisen muss.« Alida unterdrückte das Bedürfnis, zur Bekräftigung mit dem Fuß aufzustampfen.

Beschwörend umfasste Volkmar ihre Schultern.

»Aber Mädchen«, begann er in dem versöhnlichen Tonfall ihrer Kindertage, wenn sie im Begriff gewesen war etwas anzustellen und er sie davon abbringen wollte. »Wartet erst einmal ab. Eine voreilige Entscheidung ist selten gut. Was soll überhaupt die Maskerade mit dem Kleidertausch? Konrad von Westerburg wird sich nicht wenig wundern, wenn Ihr ihn später offiziell hier willkommen heißt.«

»Ich habe nicht die Absicht das zu tun. Soll Liese ruhig die Rolle weiterspielen«, murrte Alida.

Der Schrei, der in diesem Augenblick aus der Kemenate drang und sofort wieder abbrach, enthob den Truchsess einer Antwort.

Alida stürzte zurück in den Raum. Liese sank gerade rücklings zu Boden, beide Hände auf die linke Brust gedrückt. Zwischen ihren Fingern rann Blut hervor und färbte den blauen Stoff des Surkots dunkelrot. Das Pergament mit dem Siegel des Kaisers lag neben ihr auf dem Boden.

»Mörder!«, schrie Alida und stürzte auf den Komtur zu, der das Messer immer noch in der rechten Hand hielt.

Der andere Deutschordensritter packte sie sofort und hielt sie fest umschlungen. Alida strampelte, trat nach hinten gegen seinen Stiefel und war versucht in seinen Unterarm zu beißen. Doch durch die Glieder seines Kettenhemdes wäre das vollkommen aussichtslos gewesen.

Konrad von Westerburg beachtete sie nicht, sah sich jedoch genötigt, Volkmar gegenüber eine Erklärung abzugeben. »Sie hat sich selbst gerichtet, als sie las, dass ihr Vater die Gunst des Kaisers verloren hat«, behauptete er und bekreuzigte sich.

»Das ist gelogen!«, brüllte Alida außer sich vor Zorn und Schmerz. Hätte sie Liese nicht genötigt, die Kleider zu tauschen, würde die Magd noch leben.

Der Handrücken des Komturs traf mit voller Wucht Alidas Mund und Kinn. Sie fühlte, wie ihre Lippe aufplatzte, war jedoch klug genug, augenblicklich zu verstummen, und ihn nur mit Blicken zu durchbohren. Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass der Komtur den Mord an der Grafentochter von Erkenwald geplant haben musste. Er war mit der Absicht hierher geritten, sich den Besitz anzueignen und die Tochter des Hauses aus dem Weg zu räumen.

Alidas Tod würde ihren Vater brechen. Er würde seinen Lebensmut verlieren und im Kerker des Kaisers zugrunde gehen, sofern er überhaupt gefangen gehalten wurde. Vielleicht war er auch schon tot.

Nein, Alida glaubte zu spüren, dass ihr Vater noch lebte.

»Verzeiht der Magd, Herr«, mischte sich Volkmar ein und sah Alida eindringlich an. »Sie hängt sehr an ihrer Herrin und ist außer sich vor Kummer.«

»Ich will sie nicht mehr sehen. Schafft mir das Weibsstück aus den Augen«, befahl Konrad von Westerburg, derweil er nach einem kleinen Tuch auf dem Tisch griff, das Liese einst liebevoll bestickt hatte, und die Klinge daran abwischte.

Mit einem letzten Blick auf die Tote ließ Alida sich widerstandslos von Volkmar aus der Kammer führen.



U ns bleibt nicht viel Zeit«, drängte er auf dem Weg über die Stufen nach unten. »Ihr müsst die Burg sofort verlassen. Es wird nicht lange dauern und von Westerburg findet heraus, dass er nur Eure Magd ermordet hat.«

»Ich werde zu Dankwart reiten«, erwiderte Alida entschlossen.

»Auf keinen Fall«, widersprach Volkmar. Sie hatten das Ende der Wendeltreppe erreicht und wandten sich nach links. »Da wird von Westerburg zuerst nach Euch suchen lassen und er wird Euch auf dem Weg dorthin einholen. Ihr könnt kein Pferd nehmen. Die gehören nun dem Orden und Ihr wollt doch nicht, dass er Euch als Pferdediebin anklagt.« Nach einigen Schritten öffnete der Truchsess die Tür zum Privatgemach des Grafen. »Wartet hier. Es ist besser, wenn Euch niemand in dieser Aufmachung erkennt. Ich besorge einen Beutel mit Proviant, einen Umhang und etwas Geld.«

»Wohin soll ich denn gehen?«, fragte Alida verzweifelt.

»Nach Coellen, zu dem Kaufmann Salomon ben Isaak. Der Jude schuldet Eurem Vater noch einen Gefallen. Er soll Euch verstecken, bis ich Dankwart benachrichtigt habe und er Euch dort abholt.« Mit diesen Worten zog er die Tür hinter sich zu.

Alida lehnte sich an einen der Pfosten, die den dunkelgrünen Baldachin über dem Bett ihres Vaters stützten. Sie biss sich auf die Unterlippe, um nicht die Beherrschung zu verlieren und zuckte bei dem Schmerz zusammen, der sie durchfuhr.

Ihre Wut, die sie bei Lieses Anblick überwältigt hatte, wich der Trauer. Schuldgefühle brandeten in ihr hoch, als sie an Liese und ihr kleines Spiel dachte. Zugleich wurde ihr Herz von Furcht erfüllt. Die Angst um ihren Vater schnürte ihr die Kehle zu.
Sie musste die Wahrheit herausfinden und den Kaiser davon überzeugen, dass ihr Vater ihn niemals betrogen hatte. Aber wie sollte sie das anstellen? Würde Friedrich sie überhaupt empfangen? Kaum, wenn sie nicht ihre Herkunft nachweisen konnte.

Alida sah sich in der Kammer um. Ihr Blick fiel auf die schwere Truhe, die an der Wand stand. Dort bewahrte ihr Vater seine Siegelstempel auf. Sie trat einen Schritt darauf zu, als sich auf der anderen Seite der Tür Stimmen näherten.


Das Spiel der Ketzerin

Historischer Roman

HarperCollins
480 Seiten
ISBN: 978-3-74990-148-7
Taschenbuch: 11,00 Euro
E-Book: 8,99 Euro


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