Buchcover Die Klosterbraut vor einer Fensternische im Inneren eines Klosters

Leseprobe "Die Klosterbraut"

Mittelalter heißt spannende Abenteuer, heimtückische Morde und augenzwinkernde Heldinnen mit menschlichen Schwächen.

Die Klosterbraut /Leseprobe 1

Ein mittelalterlicher Roman aus dem Rheinland des 13. Jahrhunderts über Selbstbestimmung, tiefe Sehnsucht und dunkle Machenschaften.


Nun ist es nicht mehr lange, bis am 4.1.2019 mein erster eigener Roman erscheint.
Bis dahin möchte ich Sie gerne schon einmal in das Buch hineinschnuppern lassen. Alle zwei Wochen veröffentliche ich an dieser Stelle Ausschnitte aus meinem Roman.


Über das Buch:

Eigentlich hat Wulf nur einen Wunsch: Er will sich dem Kreuzzug Kaiser Friedrichs ins Heilige Land anschließen und Jerusalem von den Heiden zurückerobern. Er brennt darauf, Kampferfahrung zu sammeln und Abenteuer zu erleben. Als einziger Sohn ist es allerdings seine Pflicht, zuvor das Erbe zu sichern und sich mit der Frau zu vermählen, die sein Vater für ihn ausgewählt hat.
Doch dann begegnet er Franka, und schon nach wenigen Augenblicken ist ihm klar, dass sie diejenige ist, mit der er glücklich werden könnte und sein Leben teilen will. Diese freche junge Frau, die ihn herausfordert, die seine Interessen teilt und ihn im Schach besiegt. Doch sie ist die jüngere Schwester seiner zukünftigen Braut und dafür bestimmt, ins Kloster einzutreten.
Wulf muss sich eingestehen: Mehr als die Schachfigur, die an einem Lederband um seinen Hals hängt und ihn mit jeder Bewegung an Franka erinnert, wird ihm von der Liebe seines Lebens nicht bleiben.
Als ihn jedoch die Nachricht von rätselhaften Unglücksfällen im Kloster ereilt und Franka in Gefahr gerät, bricht Wulf auf, um sie zu retten und um sie zu kämpfen.


Besser lesbar schwarz auf weiß:

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[PDF] "Die Klosterbraut" - Leseprobe 1


1.Kapitel

Mai 1226

F rankas grüne Augen blickten durch die Maueröffnung des ritterlichen Wohnsitzes. Draußen ließen die Strahlen der Mittagssonne die Baumwipfel des Westerwaldes in unterschiedlichen Farbtönen leuchten. Die Zweige schienen Franka durch den Spalt zuzuwinken, die bestellten Felder ihr zuzurufen, sich ein letztes Mal in ein Abenteuer zu stürzen, etwas Verbotenes zu tun.

Die junge Frau seufzte leise. Der zukünftige Bräutigam ihrer Schwester könnte jeden Tag hier eintreffen, und nach Melindas Hochzeit sollte Franka in das nahe gelegene Kloster eintreten. Die geistliche Laufbahn war Franka als jüngerer Tochter von Ulfried und Heimlinde von Marienfeld schon seit ihrer Geburt bestimmt.

Franka runzelte die Stirn. Ihr Temperament drängte sie, sich hinauszuschleichen, während ihr Gewissen sie davon zu überzeugen versuchte, dass es besser wäre, in ihrer Kammer zu verweilen und zu beten.

Der Blick der jungen Frau wanderte über die Einrichtung des Raumes, die aus einer Eichenholztruhe, einer schlichten Bettstatt und einer Marienstatue in der Ecke bestand. Kein Wandteppich schmückte die Mauern, kein Geschmeide, keine bunten Bänder oder verzierte Gewänder waren hier zu finden. Bewusst verzichtete Franka auf jeglichen Tand, den sie im Kloster ohnehin nicht besitzen durfte.

Energisch wandte sich Franka von der Öffnung ab, hinter der die Freiheit lockte. Sie kniete sich vor die Gottesmutter und betete. »Bitte, Maria, hilf mir, nur dieses eine Mal noch. Ich verspreche dir, mich nach diesem Tag nie wieder in den Wald zu schleichen.«

Hastig bekreuzigte sich Franka und stand auf. Ihre kastanienbraunen Haare, die ihr bis über die Schulter reichten, hatte sie zu einem Zopf geflochten, der von einem Lederband zusammengehalten wurde. Sie raffte den Saum ihres Gewandes und ging zur Tür. Erst nachdem sie sich vergewissert hatte, dass der Gang menschenleer war, verließ sie ihre Kammer.

Vorsichtig schlich Franka von der oberen Etage, in der die Schlafräume der Familie und für besondere Gäste untergebracht waren, nach unten. Die Küche war leer, und auch aus dem angrenzenden Gesindebereich ertönte kein Laut.

Franka huschte über den gepflasterten Hof, dessen Gebäude und Gärten von einer halbhohen Bruchsteinmauer umgeben waren. Unentdeckt erreichte sie den Stall. Hier hatte sie in einem verschnürten Tuch hinter einem Futtertrog Männerkleidung versteckt. Rasch öffnete sie die Schnürung ihres Kleides, ließ es zu Boden gleiten und schlüpfte in Hosen und Hemd. Den verräterischen Zopf verbarg sie unter einer Mütze, bevor sie zu ihrer Fuchsstute eilte. Das zierliche Tier hob den Kopf mit der schmalen Blesse und schnaubte. Unwillkürlich legte Franka den Finger an die Lippen. Die Stallburschen schliefen normalerweise um die Mittagszeit, dennoch verhielt sich die junge Frau so leise wie möglich, als sie ihr Pferd sattelte und nach draußen führte. Sich immer im Schatten der Gebäude haltend, verließ sie unbemerkt den Rittersitz.

Franka war noch nicht lange unterwegs, als sie eine Falle entdeckte, in der sich ein Kaninchen verfangen hatte. Es war mit dem Hinterlauf in die Schlinge getappt und hing nun zappelnd kopfüber an der Weidenrute. Ob einer der Leibeigenen oder Bauern diese Falle gestellt hatte? Im Grunde war es Franka gleichgültig, ob sich die Bevölkerung hin und wieder heimlich das ein oder andere Wildtier als Fleischbeilage fing. Doch um des Tieres willen würde sie das Kaninchen befreien.

Nie verließ sie den Rittersitz ohne ein kleines Messer, das in ihrem Gürtel steckte, sowie Pfeil und Bogen. Sie stieg ab, packte das Tier am Nackenfell und zertrennte die Schur, die sich um dessen Bein geschlungen hatte. Sobald Franka ihren Griff löste, sprang es davon und entwischte ins Unterholz. Lächelnd steckte die junge Frau das Messer ein, als sie plötzlich das knackende Geräusch berstender Zweige vernahm.

Franka erstarrte und wollte nach den Zügeln greifen, als ihr Pferd die Ohren spitzte und angespannt das Gebüsch beobachtete. Ein Keiler brach daraus hervor und blieb stehen. Schrill wiehernd stürmte Frankas Stute davon, und das Schwein wandte seinen schweren Kopf in Frankas Richtung. Die kleinen braunen Augen schienen sie arglistig anzufunkeln. Langsam nahm sie den Bogen von der Schulter, zog einen Pfeil aus dem Köcher und legte ihn an. Ihr Herz pochte schmerzhaft. Wildschweine waren leicht reizbar und ein Pfeil kaum die richtige Waffe zur Verteidigung. Sich an dem Bogen festzuklammern gab Franka jedoch ein wenig Halt. Dadurch fühlte sie sich nicht vollkommen wehrlos.

Fieberhaft ging sie ihre Möglichkeiten durch. Langsamer Rückzug schien ihr der einzige Ausweg zu sein. Sie wusste, nicht weit von hier stand auf einer kleinen Lichtung eine Eiche mit niedrig hängenden Ästen. Schon oft war sie hinaufgeklettert und bis fast in die Krone gestiegen. Wenn sie den Baum erreichen könnte, wäre sie in Sicherheit. Vorsichtig trat sie einen Schritt zurück und dann noch einen. Das Schwein reckte die Nase nach oben. Ob es Frankas Angst roch?

Die junge Frau hob den Bogen und zielte auf das ihr zugewandte Auge. Das war die einzige Stelle, an der sie das Tier ernsthaft verletzen konnte. So bestand der Hauch einer Möglichkeit, dass es seinen Angriff abbrach.

Leider ließ ihre Treffsicherheit stark zu wünschen übrig, weil ihr Vater strikt dagegen war, dass sie eine Waffe führte und ihr deshalb die Übung fehlte. So gerne hätte Franka ausprobiert, wie es wäre, mit einem Schwert zu kämpfen, doch daran war natürlich nicht zu denken. Das würde wohl immer ein Traum bleiben.

Frankas Hände begannen zu zittern, lange konnte sie den Bogen nicht mehr spannen. »Rette mich, Maria«, flehte sie leise. »Schicke mir Hilfe, und ich gelobe, sogar noch vor Melindas Heirat ins Kloster zu gehen.«

Sie trat einen weiteren Schritt zurück. Das Schwein grunzte und senkte den Kopf. Plötzlich machte es einen Satz nach vorne. Vor Schreck ließ Franka den Pfeil von der Sehne schnellen. Tief bohrte er sich in die Schulter des Tieres. Es quiekte vor Schmerz auf und stürzte auf seine Angreiferin zu.

Instinktiv ließ Franka den Bogen fallen, warf sich herum und hetzte im Zickzackkurs zwischen den Baumstämmen hindurch. Rennen war sie nicht gewohnt, und schon bald begann sie zu keuchen. Zweige schlugen ihr ins Gesicht, das Laub vom letzten Herbst raschelte unter ihren Füßen. Feuchter Angstschweiß trat ihr auf die Stirn, während ihr Herz schneller hämmerte als die Hufe eines Pferdes im Galopp.

Die junge Frau überquerte einen Weg, sprang über einen niedrigen Strauch und sah die erhoffte Lichtung bereits durch die Bäume schimmern. Nur noch ein kurzes Stück.

Maria, bitte!

Die Eiche streckte Franka ihre rettenden Äste entgegen. Das Schnaufen des Wildschweins schien direkt hinter ihr zu sein. Im Laufen zog sie das kleine Messer erneut aus der Scheide. Ihre Gedanken rasten, als Franka entschied, sich kurz vor dem Stamm nach dem Tier umzudrehen. Vielleicht würde der Keiler mit dem Kopf dagegenrennen, wenn sie im letzten Augenblick zur Seite sprang. Das würde ihr genügend Zeit verschaffen, um auf den Baum zu klettern.

Sie erreichte die Eiche. Mit Marias Namen auf den Lippen warf Franka sich herum.


***


J etzt zieh nicht so ein Gesicht«, lachte Wulf, als er sah, wie missmutig sein Freund die dicht stehenden Bäume des Westerwaldes links und rechts des Weges betrachtete. »Marienfeld kann nicht mehr weit sein.«

»Meine Kehrseite ist schon ganz wund«, maulte Anselm. Er presste seine schmalen Lippen fest aufeinander und blickte mit einem Hauch von Neid auf Wulfgar vom Röllberg, dem Gewaltritte wie dieser nichts auszumachen schienen.

In Wulfs grauen Augen blitzte es amüsiert auf. Er schüttelte den Kopf, sodass die schulterlangen, lockigen braunen Haare umherflogen. »Mir ist es manchmal unbegreiflich, wie wir beide die Knappenzeit gemeinsam überstehen konnten. Du mit deiner Angst vor Pferden und ich mit meinem schiefen Minnesang.«

»Ich habe keine Angst vor ihnen«, widersprach Anselm heftig. »Ich mag sie einfach nicht so besonders und finde Reiten schrecklich unbequem. Außerdem ist dein Gesang nicht bloß schief, sondern eine Folter für jeden, der nur ein wenig musikalisch ist.«

Der Ausbruch entlockte Wulf lediglich ein Achselzucken. Anselm wäre viel lieber Mönch geworden, so wie sein jüngerer Bruder. Doch als Zweitgeborener war es seine Bestimmung, die ritterliche Laufbahn einzuschlagen. Falls seinem älteren Bruder etwas zustieß, sollte er darauf vorbereitet sein, dessen Erbe anzutreten.

Im Stillen dankte Wulf dem Herrn, dass er keine Geschwister hatte. Sein Leben war vorherbestimmt. Ritter werden, heiraten, Kinder zeugen und nach dem Tod seines Vaters die Verantwortung für die freien Bauern und Leibeigenen übernehmen, die zu dem Herrensitz auf dem Röllberg gehörten.

Eines störte ihn jedoch gewaltig. Wulf war einundzwanzig Jahre alt und die Schwertleite erst wenige Wochen her. Trotzdem bestand sein Vater auf einer schnellen Heirat mit der Tochter seines Waffengefährten Ulfried von Marienfeld. Viel lieber hätte Wulf erst Kampferfahrung gesammelt. Er brannte darauf, ins Heilige Land zu ziehen, um Jerusalem wieder den Händen der Heiden zu entreißen. Kaiser Friedrich II. hatte das Kreuz genommen und gelobt, eine Fahrt auszurichten, doch einen genauen Zeitpunkt hatte er nicht genannt.

Wulfs Vater war das zu ungewiss. Er drängte auf die Heirat und die Sicherung des Erbes, ehe Wulf ins Heilige Land aufbrach. Das hatte einen heftigen Streit zwischen Vater und Sohn ausgelöst. Am Ende hatte Wulf durch die vermittelnde Fürsprache seiner Mutter nachgegeben, allerdings dank ihr aushandeln können, dass er seine Braut vor der Hochzeit kennenlernen durfte. Sollte er sich mit ihr ganz und gar nicht verstehen, so würde es nicht zu einer Vermählung kommen.

Wulf konnte sich in etwa vorstellen, wie viel Verhandlungsgeschick das seine Mutter gekostet haben musste, und dafür war er ihr sehr dankbar. Seine zukünftige Braut sei wunderschön, hatte Alvara vom Röllberg ihrem Sohn versichert. Das hatte immerhin Wulfs Neugierde geweckt.

Seine Gedanken wurden unterbrochen, als sein Pferd abrupt stehen blieb und die Nüstern blähte. Wulf hörte ein Knacken, ehe kurz vor ihnen ein Junge aus dem Gebüsch sprang, über den Weg rannte und auf der anderen Seite wieder verschwand. Nur einen Wimpernschlag später folgte ihm ein mächtiger Keiler. Das Tier bemerkte die Reiter und hielt kurz inne, als wollte es abwägen, ob ihm von den Männern Gefahr drohte, bevor es erneut die Verfolgung des Knaben aufnahm.

Der Junge würde das Zusammentreffen mit dem Schwein kaum überleben. Wulf drehte sich im Sattel um und rief nach dem Sauspeer.

Kaum hatte sein Begleiter ihm die Waffe gereicht, trieb Wulf sein Pferd an und ließ es dem Wildschwein nachgaloppieren. Das Tier lief jetzt auf eine Lichtung, in deren Mitte eine alte Eiche stand. Zielstrebig hetzte der Junge auf den Baum zu. Wulfs kräftige Finger schlossen sich noch ein wenig fester um den Sauspeer. Seine Stute legte die Ohren an und streckte sich. Nach wenigen Sätzen war sie gleichauf mit dem Keiler. Wulf beugte sich im Sattel vor und stieß die Waffe mit aller Kraft tief in den Nacken des Schweins. Es quiekte spitz auf und blieb stehen. Der Speer ragte aus ihm heraus, hatte es jedoch nicht tödlich verletzt.

Augenblicklich sprang Wulf aus dem Sattel und zog sein Schwert. Erst jetzt bemerkte er, dass in der Schulter des Wildschweins bereits ein Pfeil steckte. Der Junge musste entweder des Lebens überdrüssig sein oder unglaublich dumm.

Der Keiler hob witternd den Rüssel. Wulf blieb stehen, das Heft des Schwertes mit beiden Händen gepackt, und wartete. Immer wenn er einen Gegner fixierte, überkam ihn diese kühle Ruhe, in der er jede kleinste Bewegung in sich aufnahm und bewertete. Jetzt senkte das Tier den Kopf, der rechte Vorderlauf scharrte über den Waldboden und zog eine Furche in das zarte Grün der Lichtung.

Wulf zog lediglich die Augenbrauen zusammen, als das Wildschwein plötzlich auf ihn zustürmte. Er wartete, bis das Tier ganz nah herangekommen war, ehe er im letzten Moment zur Seite sprang. Dabei stieß er dem Schwein sein Schwert zwischen die Rippen, zog es jedoch gleich wieder heraus. Der Keiler torkelte noch wenige Schritte, ehe er mit einem Röcheln zur Seite kippte.

Wulfs Gefährten hatten am Rande der Lichtung angehalten und nickten ihm anerkennend zu. Der Ritter wischte die Klinge am Fell des Keilers ab und steckte sie zurück in die Scheide. Jetzt wandte er sich dem Jungen zu. Der Kleine stand noch immer vor dem Baumstamm, hielt ein kurzes Messer in der rechten Hand vor seiner Brust von sich gestreckt und starrte Wulf aus weit aufgerissenen Augen an.

Heißer Zorn kochte in Wulf hoch, als er auf den Jungen zutrat. Nicht eine Spur von Dankbarkeit war in diesem fein geschnittenen Gesicht zu lesen, das von grünen Augen dominiert wurde, die Wulf an eine Katze erinnerten. Der Kleine reckte das Kinn nach vorn und sah ihn trotzig an. Nicht der Hauch eines Bartflaumes war zu erkennen. Der Junge konnte höchstens dreizehn Jahre zählen.

Unwillkürlich ballte Wulf die Hände zu Fäusten, und er runzelte die Stirn, als er knurrte: »Was bei allen Heiligen hast du dir dabei gedacht, ein Wildschwein zu jagen, abgesehen davon, dass es für einen deines Standes verboten ist?«

»Wollte ich gar nicht«, gab sein Gegenüber mit dünner Stimme zu.

Die Antwort entlockte Wulf ein spöttisches Grinsen. »Das habe ich gesehen, es hat wohl eher dich gejagt.«

Der Junge presste die geschwungenen Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. »Ich wollte mich bloß verteidigen.«

»Indem du es an der Schulter verletzt?« Wulf schüttelte den Kopf.

»Ich habe auf das Auge gezielt«, erklang es trotzig.

Wulfs Mundwinkel hoben sich für einen Augenblick amüsiert. »Mit deiner Treffsicherheit ist es wohl nicht weit her. Besser, du steckst dein Messerchen jetzt weg, sonst tust du dir noch selbst weh. Damit hättest du dich ohnehin nicht verteidigen können.«

Er hatte das Gefühl, von einem grünen Blitz getroffen zu werden, als der Kleine ihn böse ansah, während er das Messer einsteckte. »Ich wäre schon noch rechtzeitig auf den Baum gekommen.«

»Und wenn nicht?«

»Dann wäre ich im letzten Augenblick zur Seite gesprungen und hätte den Keiler vor den Baum laufen lassen.«

Wulf schwankte zwischen Bewunderung und Entsetzen. Der Kleine war entweder außergewöhnlich mutig oder verfügte über noch größeres Gottvertrauen als Anselm. »Du wirst dich jetzt bei mir bedanken und dann verschwinden.«

Der Junge ging nicht darauf ein. »Was ist mit dem Wildschwein? «, wollte er stattdessen wissen.

»Was soll damit sein? Ich bin auf dem Weg nach Marienfeld und werde das Tier als zusätzliches Gastgeschenk mitnehmen.«

»Um den Ruhm, es erlegt zu haben, für Euch alleine einzustreichen?«

Kurz war Wulf sprachlos, ehe er polterte: »Willst du etwa behaupten, du hättest das Schwein getötet?«

»Immerhin habe ich es für Euch auf die Lichtung gelockt.«

»Gelockt?«, echote Wulf wütend. Er packte den Kleinen bei den schmalen Schultern, die von seinen Händen komplett bedeckt wurden. Grob begann er, ihn zu schütteln, hörte, wie die Zähne des Jungen aufeinanderschlugen. »Du frecher kleiner Dachs«, schimpfte er.

Die Kopfbedeckung rutschte hinunter, und ein geflochtener brauner Zopf fiel herab. Die Sonnenstrahlen verliehen dem Haar einen kupferfarbenen Schimmer. Wulf hielt inne. Diese Katzenaugen – er hätte es wissen müssen. »Wie alt bist du, Mädchen?«, fragte er heiser.

»Siebzehn«, erklang es dünn.

Langsam senkte Wulf den Kopf. »Jetzt weiß ich, wie du dich bedanken kannst«, flüsterte er rau.


***

Die nächste Leseprobe ist ab dem 26.11.2018 online.


Vorschau:

Franka fügt sich nur schwer in die klösterliche Gemeinschaft ein. Der jungen Frau fällt es nicht leicht, die Klosterregeln von Gehorsam und Demut anzunehmen. Durch ihre Begabung, Bilder zu illuminieren, findet sie schließlich ihren Arbeitsplatz im Skriptorium des Klosters.
In der Klostergemeinschaft entdeckt ihre Freundin den Diebstahl giftiger Heilpflanzen.

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Die Klosterbraut

Historischer Roman
MIRA-Taschenbuch + eBook
Erscheint am 4. Januar 2019
416 Seiten
ISBN: 978-3-95649-844-2
9,99 Euro


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