Buchcover Die Klosterbraut vor einer Fensternische im Inneren eines Klosters

"Die Klosterbraut"

Mittelalter heißt spannende Abenteuer, heimtückische Morde und augenzwinkernde Heldinnen mit menschlichen Schwächen.

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Die Klosterbraut

Leseprobe 2

Die Begegnung im Wald hat in Franka ein Feuer entfacht. Wulf ist beeindruckt von dem Mut und der Ausstrahlung der kratzbürstigen jungen Frau und entwickelt aufrichtige Zuneigung. Die beiden beugen sich jedoch ihrer Vorbestimmung und Wulf heiratet Frankas Schwester. Selbst als Franka ins Kloster eintritt und der Kaiser zum Kreuzzug ruft, können die beiden einander nicht vergessen.


Im Skriptorium

Franka fügt sich nur schwer in die klösterliche Gemeinschaft ein. Der jungen Frau fällt es nicht leicht, die Klosterregeln von Gehorsam und Demut anzunehmen. Durch ihre Begabung, Bilder zu illuminieren, findet sie schließlich ihren Arbeitsplatz im Skriptorium des Klosters.


Besser lesbar schwarz auf weiß:

Icon geöffnetes Buch[PDF] "Die Klosterbraut" Leseprobe 2 / Im Skriptorium


12. Kapitel

Februar 1227

E s war nach der Terz, dem Gebet zur neunten Stunde, als Franka von der Kirche hinüber zum Skriptorium eilte. Nach über einem halben Jahr im Kloster fiel es ihr immer noch schwer, gemessenen Schrittes zu gehen. Zumal, wenn es so kalt war wie an diesem Februartag. Franka versteckte die Finger noch tiefer in den weit geschnittenen Ärmeln ihres Habits.

Nachdem sie die Treppen in das Obergeschoss hinaufgelaufen war, ging sie betont langsam zu ihrem Pult neben einer Maueröffnung. Diese war im Winter mit einem ölgetränkten Leder verhangen, um die Kälte ein wenig abzuhalten. Deshalb war es in dem Raum erheblich dunkler, und an jedem Platz brannte eine Kerze, was die zusätzliche Achtsamkeit aller erforderte.
Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen legte Franka ihre Arbeitsutensilien zurecht: Pinsel, Tinten und Radiermesser. Sie spürte die Freude in sich aufsteigen, als sie das Bild des Heiligen Martin von Tours betrachtete, an dem sie gerade arbeitete. Gewissenhaft begann Franka, mit Eiklar das Gold auf den römischen Helm zu tupfen. Obwohl diese filigrane Arbeit ihre ganze Aufmerksamkeit fordern sollte, schweiften ihre Gedanken ab.

Im Grunde gefiel Franka das Leben im Kloster. Schwester Almatia, die Leiterin des Skriptoriums, hatte Frankas außergewöhnliche Begabung für das Illuminieren von Bildern erkannt und förderte diese.
Wenn sie unbeobachtet waren, sparte Schwester Almatia nicht mit Lob für ihre gelehrige Novizin. Dann huschten ihre kleinen, etwas knotigen Finger über das Pergament, zeigten auf Einzelheiten, die ihr gefielen oder die sie verbesserungswürdig fand. Ab und an stieß die vornübergebeugte, hutzelige Person mit den leicht trüben Augen leise Geräusche des Entzückens oder des Missfallens aus.

Noch nie in der Geschichte des Konvents war einer Novizin eine solch verantwortungsvolle Aufgabe übertragen worden, wurde Schwester Almatia nicht müde zu betonen. Franka strengte sich an, die Vorgaben der Leiterin ganz genau umzusetzen. Hin und wieder wagte sie es jedoch, kleine eigene Vorschläge zu unterbreiten. Zu ihrem Erstaunen stimmte Schwester Almatia ihnen gelegentlich zu. Dann gelang es Franka kaum, das Gefühl des Stolzes zu unterdrücken, das in ihr aufstieg.

Auch Mutter Isburga betrachtete Frankas Fortschritte mit Wohlwollen. Sie sorgte dafür, dass Franka von den meisten anderen Pflichten entbunden wurde, damit sie überwiegend im Skriptorium der Leiterin zur Hand gehen konnte.

Dies blieb den anderen Mitgliedern des Konvents nicht verborgen. Manche gönnten es Franka, andere wiederum betrachteten sie mit Argwohn. Eine von ihnen war Edelgard, Frankas Bettnachbarin im Schlafsaal. Sie schien jede von Frankas Bewegungen zu beobachten. Die beiden waren im selben Alter. Während Franka jedoch klein und mit wohlgeformten Rundungen versehen war, war Edelgard von hoch aufgeschossener Gestalt und unglaublich hager. Franka ertappte sich mehr als ein Mal dabei, wie sie innehielt und lauschte, ob nicht Edelgards Knochen unter dem Habit aneinanderklapperten.

Die Gesichtszüge der Novizin wirkten hart, was von den hervorstehenden Wangenknochen noch verstärkt wurde. Die spitze Nase der jungen Frau zitterte jedes Mal, wenn ihre Besitzerin sehr bewegt war. Doch etwas gab es an Edelgard, was Franka im ersten Augenblick die Sprache verschlagen hatte. Die beiden Novizinnen hatten eine einzige Gemeinsamkeit: Edelgard hatte ebenso grüne Augen wie Franka, wenn auch deren Lider schmaler geschnitten waren. Frankas temperamentvolles und gelegentlich überschäumendes Wesen andererseits stand im krassen Gegensatz zu der beherrschten, manchmal kühl und abweisend wirkenden Haltung Edelgards.


B esonders in den ersten Wochen ihres Eintritts ins Kloster war es vorgekommen, dass Franka eine Verfehlung gar nicht als solche erkannt hatte. Edelgard hatte sie deshalb schon oft vor der Kapitelversammlung angeschwärzt, natürlich nur, um zu verhindern, dass sie vom rechten Weg abkam, wie sie behauptete. Unwillkürlich umklammerte Franka den Griff des Pinsels aus Marderhaar ein wenig fester. Von jeder Nonne und Novizin wurde erwartet, sich selbst zu denunzieren. Geschah dies nicht, so sollte ihr Gelegenheit geben werden, das Versäumnis nachzuholen. Erst wenn dies nach wiederholter Aufforderung nicht geschah, sollte die andere Nonne es vor der Versammlung bekunden.

Tatsache war jedoch, dass es einige Mitglieder des Konvents nur allzu genau nahmen, ihre Mitschwestern auf den guten Pfad zurückzuführen. Edelgard gehörte definitiv dazu. Nie hatte sie Franka zuvor angesprochen, sondern immer gleich deren Verfehlungen öffentlich gemacht.

Daraufhin suchte Franka Mutter Isburga in ihrem Sprechzimmer auf und vertraute sich ihr an. Die Äbtissin neigte verstehend den Kopf. »Das Beste wird sein, Franka, wenn du alles anzeigst, ganz gleich, ob es ein unbedachtes Wort während der Schweigezeit war, eine zu lasch ausgeführte Bekreuzigung oder mangelnder Eifer bei der Ausführung von dir übertragenen Aufgaben. Mit der Zeit wirst du schon ein Gespür dafür bekommen. Übe dich in Nachsicht Edelgard gegenüber. Sie stammt aus einfacheren Verhältnissen als du, doch ihr Ehrgeiz steht dem deinen nicht nach.«

»Ehrgeiz ist falsch«, murrte Franka.

»Das sagst ausgerechnet du?« Lächelnd beugte sich Mutter Isburga über den Tisch.
»In gewisser Hinsicht ist er aber auch förderlich. Ich appelliere an deine Nächstenliebe, Franka. Ich weiß, du hast das größere Herz. Bestimmt gelingt es dir, Edelgard ihre Fehler nachzusehen.«

Franka seufzte und fügte sich. Sie versuchte ernsthaft, mit Edelgard Frieden zu schließen. Eines Tages, als sie zusammen zur Arbeit im Kräutergarten eingeteilt waren, sprach sie die andere sogar darauf an und wagte es, das Wort Freundschaft zu erwähnen. Entrüstet verbat sich Edelgard eine solche Anbiederung, wie sie es nannte. Schließlich waren Freundschaften in der klösterlichen Gemeinschaft verpönt. Beinahe hatte Franka erwartet, dass die Novizin sie deswegen erneut bei der Kapitelversammlung anzeigen würde, doch dieses Mal war Edelgard stumm geblieben. Franka beschloss, sie künftig zu ignorieren, soweit das in einem Kloster möglich war.

Die Tür des Skriptoriums öffnete sich, und Edelgard schlüpfte hindurch. Offenbar war sie erst jetzt mit der ihr zugeteilten Arbeit fertig geworden. Mit gesenktem Kopf ging sie auf das Pult neben Franka zu. Edelgard verfügte zwar nicht über Frankas Begabung und durfte deshalb keine Bilder illuminieren, doch sie war sehr geschickt, was das Zeichnen von Ornamenten anging.
Es ärgerte Franka, dass ihre Kontrahentin ebenfalls im Skriptorium eingesetzt wurde. Das hatte sie sicherlich allein der Fürsprache der Priorin, Schwester Gertrud, zu verdanken. Edelgard war Gertruds Liebling. Natürlich durfte es so etwas nicht geben, doch alles, was Edelgard tat, fand Gnade vor Gertruds Augen, während die Priorin sich gleichzeitig dazu berufen fühlte, Franka zu tadeln, wann immer sich die Gelegenheit bot.

Schwester Gertrud war der jungen Frau unheimlich. Ihre stechend blauen Augen huschten ständig prüfend umher, nichts entging ihrem scharfen Blick. Die gebogene Nase wuchs aus dem schmalen Gesicht heraus und ließen Franka beim Anblick der Frau an einen Raubvogel denken, der beständig auf der Suche nach Beute war. Das Antlitz der Priorin war mit tiefen Falten durchzogen, die dafür sorgten, dass ihre Stirn stets gerunzelt war und die Mundwinkel nach unten hingen. Das verstärkte den Eindruck der Strenge und Härte, den diese Frau ausstrahlte. Sie entstammte einer der mächtigsten Adelsfamilien des Reiches und verfügte über großen Einfluss.

Im Stillen ermahnte sich Franka, ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Illustration des Heiligen Martin zu lenken. Es war eine Auftragsarbeit wie die meisten anderen. Viele dieser Aufträge wurden über Schwester Gertrud beschafft, und das Kloster hatte gut zu tun. Im Skriptorium arbeiteten deshalb etliche Nonnen. Die weniger begabten stellten die verschiedenfarbigen Tinten her. Die meisten schrieben Texte aus der Heiligen Schrift ab oder kopierten Bücher aus der Bibliothek. Andere, wie Edelgard, verzierten die Texte mit Initialen oder Ornamenten. Lediglich Franka und Schwester Almatia war es gestattet, die Bilder zu illuminieren.

Der Helm des Heiligen Martin glänzte golden. Zufrieden begann Franka, den Pinsel zu säubern, bevor sie sich dem Hintergrund zuwenden konnte, der das Blau des Himmels an einem wolkenlosen Sommertag darstellen sollte. Franka schielte zum Nachbarpult hinüber, an dem Edelgard die vorgezeichneten Ranken grün ausmalte. Die Novizin erinnerte Franka ein wenig an ein Frettchen, das Schwester Gertrud zur Jagd abgerichtet hatte. Franka konnte das Kichern nicht ganz unterdrücken, welches das Bild eines hinter ihr herschnüffelnden Frettchens auslöste. Schnell blickte sie auf. Ihre Befürchtung bestätigte sich. Edelgard musterte sie mit zusammengekniffenen Augenbrauen.

Beschämt senkte Franka den Kopf. Bei der nächsten Kapitelversammlung würde sie auf dem Boden ausgestreckt beichten müssten, warum sie beim Illuminieren des Heiligen Martin gelacht hatte. Seufzend ermahnte sich Franka, dies als eine weitere Gelegenheit zu sehen, sich darin zu üben, demütig ihr Schicksal anzunehmen.

Dabei glaubte Franka nicht an eine Vorbestimmung des Weges. Zumindest einmal hatte sie die Möglichkeit gehabt, sich gegen dieses Leben zu entscheiden. Sie seufzte unhörbar. Wehe ihr, wenn Edelgard jemals auch nur die leiseste Ahnung von der Holzfigur bekäme, die sie um den Hals trug. Franka unterdrückte den plötzlichen Impuls, die Hand daraufzulegen.

Sie hatte Wulf nie wiedergesehen, und doch musste sie nur die Augen schließen, und er stand vor ihr. Jeden Abend betete sie für ihre Familie, für ihren Schwager jedoch ganz besonders. Sie bat die Heilige Jungfrau, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn nach Jerusalem ziehen zu lassen. Gleichzeitig flehte sie um seine gesunde Rückkehr.

Franka zwang sich, nicht länger an die Gefahren zu denken, die Wulf begegnen könnten. Stattdessen griff sie nach dem Rinderhorn mit der Tinte, die hauptsächlich aus geriebenem Azurit bestand. Sie warf nochmals einen Seitenblick zu Edelgard hinüber, die vorgab, konzentriert zu arbeiten. Es wurde Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie Franka ihr unbotmäßiges Kichern erklären wollte.


***


Vorschau zu Leseprobe 3:

Wulf hofft bei einem Turnier auf Burg Blankenberg ein Streitross für den Kreuzzug zu erkämpfen. Doch sein Gegner ist stark und hinterlistig.

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Die Klosterbraut

Historischer Roman
MIRA-Taschenbuch + eBook
Erscheint am 4. Januar 2019
416 Seiten
ISBN: 978-3-95649-844-2
9,99 Euro


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