Buchcover Die Klosterbraut vor einer Fensternische im Inneren eines Klosters

"Die Klosterbraut"

Mittelalter heißt spannende Abenteuer, heimtückische Morde und augenzwinkernde Heldinnen mit menschlichen Schwächen.

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Die Klosterbraut

Leseprobe 4

Obwohl sie für ihn unerreichbar ist, will er Franka noch ein letztes mal sehen, bevor er in die Schlacht zieht.


Abschied

Wulf reitet zum Konvent der Barmherzigen Schwestern. Sein Dasein hatte sich in den letzten Wochen völlig auf den Kopf gestellt. Es drängte ihn, Franka zu beschützen, den Rest seines Lebens mit ihr zu verbringen. Sie war die Richtige für ihn. Mit ihr konnte er glücklich werden. Doch sie wollte nicht, hatte ihn ohne Erklärung abgewiesen. Wovor fürchtete sie sich?


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Icon geöffnetes Buch[PDF] "Die Klosterbraut" Leseprobe 4 / Abschied


17. Kapitel

Juni 1227

F ranka hatte ein ungutes Gefühl im Magen. Eine der Schwestern hatte ihr gerade mitgeteilt, dass ein Bote im Sprechzimmer der Äbtissin mit Nachricht von ihrer Familie auf sie wartete.

»Das verheißt bestimmt nichts Gutes«, murmelte sie vor sich hin, als sie über den Hof zum Hauptgebäude hastete.

Aus den Augenwinkeln bemerkte sie Edelgard, die auf einem Schemel saß und interessiert den Kopf hob. Doch Franka hatte jetzt keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Vor der Tür zum Sprechzimmer atmete sie nochmals tief durch, bevor sie den Raum betrat.

Der Mann hatte ihr den Rücken zugewandt und stand nach vorne gebeugt, wobei er seine Hände auf Mutter Isburgas Pult abstützte. »Ihr könnt mir viel erzählen«, knurrte er gerade.

»Ich muss mich selbst davon überzeugen, dass es ihr gut geht.«

Diese Stimme! Nie hatte sie den Klang vergessen. Franka blieb in der halb geöffneten Tür stehen und legte die Hand auf ihr wild klopfendes Herz.

Als hätte er ihre Anwesenheit gespürt, richtete er sich auf. Die braunen Locken fielen ihm über den Kragen.

»Da ist sie doch schon«, sagte die Äbtissin mit einem verkniffenen Lächeln.

Langsam drehte Wulf sich um, während Mutter Isburga aufstand.
»Überbringt Eure Nachricht und reitet weiter«, sagte sie ein wenig barsch.

Verblüfft sah Franka der Äbtissin nach, als sie die Tür hinter sich schloss. Warum ließ die Ehrwürdige Mutter sie mit Wulf allein? Sie wusste doch, wie es um Franka stand. Oder glaubte sie, dass mit Ablegen der Profess auch ihre Gefühle für ihn erloschen waren? Zögernd hob sie den Blick. Ihre Augen fanden die seinen.

Stumm musterten sich die beiden, während Franka sicher war, dass er das Trommeln ihres Herzens hörte. Schließlich brach sie das Schweigen.

»Du hast eine Botschaft für mich?« Ihre Stimme war belegt.

Wulf lächelte traurig. Das Grübchen, das auf seiner Wange erschien, fesselte Frankas Aufmerksamkeit. »Nicht wirklich«, sagte er.

»Was willst du dann hier?«, brachte sie heiser hervor.

Wulf trat näher. Mit rauer Stimme antwortete er:
»Ich wollte noch ein letztes Mal in diese frechen Katzenaugen sehen.«

Frankas mühsam aufrechterhaltene Selbstbeherrschung geriet ins Wanken.
»Ein letztes Mal?«, wiederholte sie brüchig und mit Entsetzen in der Stimme.

Wulf drehte ihr die Schulter zu, so konnte sie das aufgenähte Kreuz auf seinem Mantel sehen.

Für einen Moment stockte Franka der Atem.
»Ich habe mir schon gedacht, dass du dem Aufruf des Kaisers folgen wirst. Was sagt meine Schwester dazu?«

»Sie hat mit Freuden zugestimmt. Es ist die beste Gelegenheit für sie, mich ein für alle Mal loszuwerden.« Die Bitterkeit war nicht zu überhören.

»Was redest du denn da? Melinda liebt dich über alles.« Wulfs Lachen klang gepresst.

»Deine Schwester liebt nur einen Menschen auf dieser Welt, und zwar sich selbst.«

Franka erschrak vor dem plötzlichen Stich des Mitleids, der ihre Eingeweide durchdrang. Er war nicht glücklich.

»Willst du damit sagen, sie liebt dich nicht?«, hakte sie nach.

»Aber du liebst sie doch.«

»Ach, kleine Schwägerin«, sagte Wulf und trat noch einen Schritt näher. »Ich habe sie geheiratet, weil du es so wolltest. Fühlst du dich denn geborgen hier?«

Mit Mühe gelang es Franka, mit fester Stimme zu antworten: »Ich habe die richtige Entscheidung getroffen.«

»Gut«, sagte Wulf. »Dann ist immerhin einer von uns beiden mit seinem Leben zufrieden.«

Seine Hand zuckte nach oben, als wollte er sie berühren. Im letzten Moment hielt er inne. »Ich vergaß«, versuchte er zu scherzen, »nicht anfassen.«

Franka schossen Tränen in die Augen. Schnell senkte sie den Blick. Machtvoll überfiel sie die Erinnerung an die verbotenen Küsse, die sie geteilt hatten.
»Du hättest nicht kommen dürfen«, stammelte sie.
»Bei meiner Profess hast du mich ja auch kaum beachtet. Ich hatte den Eindruck, am liebsten wärst du gar nicht da gewesen.«

»Das stimmt.«
Wulf hob den Kopf und fixierte einen Punkt an der frisch gekalkten Wand hinter ihr. Ein Muskel zuckte auf seiner Wange, während sein Kiefer sich anspannte, bevor sein Blick erneut den ihren traf. Der Schmerz darin legte sich wie ein eisernes Band um Frankas Kehle.
»Deshalb«, sagte er schlicht, auf ihre Hand deutend, an deren Ringfinger der schmale Goldreif steckte.

Franka hob die Hand gegen das Licht. »Was ist denn mit dem Ring?«

Wulfs Antwort kam so leise, dass Franka ihn kaum verstehen konnte.
»Es ist nicht der meine.«

Um nicht laut aufzustöhnen, biss Franka auf ihren Fingerknöchel.

»Was hast du erwartet, kleine Schwertschwingerin?«, fragte er sanft.
»Du hast dich in mein Herz gekämpft. Ich weiß, es ist völlig aussichtslos und eine große Sünde. Wahrscheinlich werde ich dafür trotz Ablass auf ewig in der Hölle schmoren, wenn ich im Heiligen Land mein Leben lasse.«

Bebend bekreuzigte sich Franka. »Sag so etwas nicht. Ich bete für dich in der Hoffnung, dass du gesund zurückkehrst.«

Doch Wulf schüttelte den Kopf.
»Im Kampf gegen die Heiden zu fallen wird meine Erlösung sein. Es gibt nichts, was mich hier hält.«

»Wulf«, flehte Franka schluchzend, »versprich mir, dass du den Tod nicht absichtlich suchst, bitte.« Sein Antlitz vor ihr verschwamm. Hastig fuhr sie sich mit dem Handrücken über die Augen.

»Liegt dir so viel daran, dass ich zurückkomme?«

Franka brachte nur noch ein Nicken zustande, während sie versuchte, den Stein in ihrem Hals herunterzuwürgen. Ängstlich betrachtete sie Wulf.

»Nun gut«, versprach er schließlich. Kurz lächelte er, als er ihr Aufatmen bemerkte. »Ich werde um mein Leben ringen, aber bedenke, dass ich auch einen Kampf verlieren kann.«

»Sollte …«, Franka stockte, »sollte es dem Herrn gefallen, dich zu sich zu holen, muss ich es wissen.«

»Ich werde Vorsorge treffen, dass ein Bote dir dieses übergibt.« Wulf öffnete die Schließe seines Mantels und legte ihn über seinen Arm. Dann nestelte er an den oberen Schnüren seines Hemdes.

Franka bemühte sich, ihren Blick von dem Stück brauner Haut loszureißen, das dabei sichtbar wurde. Verlegen schaute sie zur Seite.

Wulfs Hand war in seinem Halsausschnitt verschwunden. Als er sie herauszog, hatte er sie zur Faust geballt. Er öffnete sie, und Franka sah ungläubig auf die Schachfigur aus Birkenholz.

»Du hast sie noch«, rutschte es ihr heraus.

»Ich trage sie immer bei mir, sie ist ein Teil von mir geworden. Niemals würde ich mich freiwillig davon trennen. Wenn du die Dame erhältst, wirst du wissen, dass ich tot bin.«

Franka biss sich auf die zitternden Lippen, unfähig zu antworten.

»Hast du seinerzeit den König bekommen?«, fragte Wulf rau.

Franka nickte und legte die Hand auf das Zeichen ihres Glaubens, das sie über dem Habit um den Hals trug.

»Er ist dir näher als das Kreuz«, stellte Wulf erfreut fest.

So hatte Franka das noch nie gesehen und verbot sich, weiter darüber nachzudenken.
»Du musst jetzt gehen«, presste sie hervor. Es hatte keinen Sinn, den unvermeidlichen Abschied weiter hinauszuzögern.

Tief atmete Wulf durch, ließ die Figur an dem Lederband wieder unter sein Hemd gleiten, band es zu und warf sich den Mantel über.

»Gibt es etwas, was du gerne aus dem Heiligen Land hättest, falls ich es je erreiche?«, fragte er.

Franka überlegte, dann versuchte sie ein zaghaftes Lächeln.
»Wie wäre es mit ein wenig Wasser aus dem See Genezareth?«

Wulf neigte den Kopf. »Ich werde deinen Wunsch erfüllen.«

Sehnsüchtig streckte er ihr beide Hände entgegen und drehte die Handflächen nach oben.
»Franka«, sagte er beschwörend.
»Bitte, berühre mich nur ein einziges Mal. Ein allerletztes Mal – bitte.«

Wider besseres Wissen hob sie ihre Hände. Ihre Finger bebten, als sich ihre Kuppen sanft auf die seinen legten. Sie sah ihm in die Augen. Es war, als würde sie in seinen Bann gezogen. Wulf krümmte die Finger, und seine Daumen streichelten zärtlich über ihre Glieder. Allmählich verstärkte er den Druck und zog sie langsam näher.


E in Geräusch an der Tür ließ beide zusammenfahren. Sofort gab Wulf Frankas Hände frei und trat einen Schritt zurück.

Mutter Isburga trat ein. Kritisch sah sie von einem zum anderen. Franka hatte ihre pulsierenden Finger ineinander verflochten. Wulf hatte eine Hand so fest um das Heft seines Schwertes gelegt, dass die Knöchel weiß hervortraten.

»Habt Ihr Eure Nachricht überbracht?«, wollte die Äbtissin wissen, wartete Wulfs Antwort jedoch nicht ab, sondern fuhr fort: »Konntet Ihr Euch davon überzeugen, dass Franka freiwillig hier ist? So wie Ihr Euer Schwert umklammert, bekomme ich fast den Eindruck, Ihr wollt Eure damalige Drohung wahrmachen.«

Wulf ließ das Heft los, als hätte er sich verbrannt.
»Nein, Ehrwürdige Mutter«, stammelte er. »Ich wollte mich gerade verabschieden.«

»Lasst Euch nicht aufhalten.«
Die hellen Augen der Äbtissin musterten den jungen Mann eindringlich.

»Ich habe ein neues Pferd, Tempête«, sagte Wulf an Franka gewandt. »Willst du ihn sehen?«

»Wenn Ihr das Kloster verlasst, kann sie von hier aus Euer Tier bewundern«, bestimmte Mutter Isburga.

Wulf biss die Zähne zusammen. Noch ein letztes Mal sah er in die Katzenaugen. »Lebe wohl, kleiner Dachs«, presste er hervor.

»Gott beschütze dich, Wulf«, erwiderte Franka erstickt.

Schnellen Schrittes verließ Wulf den Raum, ohne die Äbtissin auch nur eines Blickes zu würdigen.

Von der Fensteröffnung aus beobachtete Franka, wie er kurz darauf zum Stall eilte und wenig später mit einem kräftig gebauten, kastanienfarbenen Hengst wieder erschien. Er hielt kurz im Hof inne und blickte hinüber. Franka reckte einen Daumen in die Höhe zum Zeichen, dass sie seine Wahl guthieß. Wulf hob die Hand für einen letzten Gruß und verließ das Kloster.

Durch die geschlossene Pforte starrte Franka ihm nach.
Plötzlich fühlte sie sich leer und einsam. Ein Räuspern machte sie darauf aufmerksam, dass die Äbtissin immer noch im Raum war. Aufgeschreckt wandte Franka sich um. Mutter Isburga sah sie ruhig an, als wartete sie auf eine Erklärung.

Doch was sollte Franka ihr sagen? Sie erinnerte sich an die Worte, die die Äbtissin eben an Wulf gerichtet hatte. »Was meintet Ihr damit, er hätte Euch gedroht?«

Einen Moment zögerte Mutter Isburga, ehe sie antwortete:
»Als er dir nach deiner Ankunft nachgeritten war, hat er mir nur schwer geglaubt, dass du freiwillig hier bist. Damals drohte er mir, mich umzubringen, sollte er je erfahren, dass ich ihn deinetwegen belogen hätte.«

Entsetzt schlug sich Franka die Hand vor den Mund.

Kurz lächelte die Äbtissin.
»Er sorgt sich um dein Wohlergehen.«

Sie wurde ernst.

»Du hast dich getäuscht, er liebt wirklich dich – nicht deine Schwester.«


***


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Vorschau:

Im Heiligen Land trifft Wulf auf einen alten Feind und beschließt aller Widerstände zum Trotz, um Franka zu kämpfen. Er ahnt nicht, dass Franka im Kloster den mysteriösen Unglücksfällen auf die Spur kommt und nun selbst in Gefahr schwebt.

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Die Klosterbraut

Historischer Roman
MIRA-Taschenbuch + E-Book
416 Seiten
ISBN: 978-3-95649-844-2
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