Buchcover von meinem Roman Die Sündenbraut. Im Hintergrund liegt eine mächtige Burg auf einem umwaldeten Hügel.

"Die Sündenbraut"

Mitreißende Mittelalterromane mit Herz und scharfer Zunge

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Die Sündenbraut

Leseprobe

Eine junge Frau, getrieben von Rache, auf der Suche nach Glück


Über den geheimnisvollen Fremden:

Als Ritter im Heer Friedrichs II. hofft Gerald von Aue auf Reichtum. Sein Traum scheint in greifbarer Nähe, als der Kaiser persönlich ihm einen geheimen Auftrag erteilt.
Verkleidet als einfacher Handwerker soll Gerald die Rezeptur für das sogenannte Donnerkraut beschaffen. Ein Alchemist aus Geralds Heimat hat das Pulver entdeckt, das Steine zum Bersten bringen kann und mit dem der Kaiser hofft, seine Feinde zu bezwingen.
Aber der Weg ist beschwerlicher als erwartet, und so kommt es Gerald gerade recht, als er auf die junge Heilerin Fenja trifft. Seine Reise an ihrer Seite fortzusetzen verschafft ihm die Tarnung, die er braucht, doch Fenja darf niemals erfahren, wer er wirklich ist …


Besser lesbar schwarz auf weiß:

Icon geöffnetes Buch[PDF] "Die Sündenbraut" Leseprobe / Kapitel 1


Prolog

Sachsen 1234


D er matte Schein des Talglichtes malte die Züge des Toten weicher, als sie je zu Lebzeiten gewesen waren. Fenja atmete tief den harzigen Duft der frisch geschnittenen Tannenzweige ein, mit denen der Raum geschmückt war. Noch übertünchten sie den beginnenden Verwesungsgeruch des verblichenen Kaufmanns.

Fenja drückte das Weidenkörbchen fester an sich. Zwei kleine Brote lagen darin. Sie trat auf den toten Mann zu, der mit einem groben Leinenhemd bekleidet war, dessen Stoff an einigen Stellen abgenutzt wirkte.

»Diese Händler sind doch alle gleich«, murrte Runhild neben ihr. »Im Leben Reichtum gescheffelt, seiner Familie Wohlstand gebracht und im Tode hüllt ihn sein Sohn in einen besseren Lumpen. Ich hoffe nur, er wird uns den Lohn nicht vorenthalten.« Es schien, als wäre ihr blindes Auge auf den Toten gerichtet, während das gesunde Fenja anfunkelte. »Du bist dir immer noch sicher, dass du seine Sünden auf dich nehmen willst?«

Die junge Frau streckte sich und reckte das Kinn ein wenig vor. Eine schwarze Haarsträhne löste sich aus dem geflochtenen Zopf und umschmeichelte ihre Wange. »Es wird Zeit, dir ein wenig von deiner Güte zurückzugeben, denn ohne dich wäre ich nicht mehr am Leben. Künftig sollst du die Verfehlungen der Verstorbenen nicht mehr alleine tragen müssen.«

Entschlossen trat Fenja auf den Toten zu, legte ihm einen der handtellergroßen Brotlaibe auf die Brust, den anderen auf den geblähten Bauch. Von der Familie war auf einem kleinen Tisch ein Becher mit verdünntem Rotwein bereitgestellt worden. Fenja griff danach und hielt ihn, mit beiden Händen fassend, zunächst über die Stirn des Verstorbenen.

»Durch Euren plötzlichen Tod konntet Ihr keinem Priester Eure Sünden beichten, keine letzte Ölung empfangen. Ich bin hier, um Euch zu helfen. Übergebt mir Eure Sünden, damit sie zu den meinen werden und Eure Seele befreit in den Himmel aufsteigen kann.«

Fenja senkte den Becher, bis sein Boden kurz die erkaltete Stirn des Toten berührte. Danach wiederholte sie die Zeremonie an den Stellen, wo die Brote lagen.

Runhild musterte ihre Schülerin aufmerksam, nickte hin und wieder. Um den Mund ihrer Ziehmutter glaubte Fenja einen traurigen Zug zu erkennen. Sie stellte den Becher zurück auf den Tisch, nahm das Brot von der Brust und riss ein Stückchen ab. Langsam tunkte sie es in den Wein und sah mit leichtem Schaudern zu, wie die rote Flüssigkeit gierig aufgesogen wurde.

Die Krume in ihrer Hand roch frisch und verführerisch. Ihr Magen knurrte vernehmlich. Ihm schien es gleichgültig zu sein, ob sie mit der Speise die Laster des Kaufmanns auf sich nahm. Für ihn zählte nur, dass Fenja seit dem vorherigen Tag nichts mehr gegessen hatte.

Sie steckte sich das durchweichte Stück Brot in den Mund und verzog das Gesicht. Der Wein schmeckte sauer. Wogen die Sünden des Mannes so schwer und hatten den Trunk verdorben? Tapfer kaute sie weiter, würgte den Bissen hinunter, der zögerlich ihre Kehle hinabrutschte und sich im Bauch scheinbar in einen Stein verwandelte.

»Iss das Brot, ohne es in den Wein zu tauchen, und trinke ihn später«, riet Runhild. »Wenigstens eins von beiden sollte dir munden, wenn du schon seine Seele reinigst.«

Gehorsam aß Fenja zunächst ein Brot und spülte nach. Das war viel besser, auch wenn ihr Gaumen sich zusammenzog und der Mund trocken wurde. Sie unterdrückte den Wunsch sich zu schütteln. Rasch verzehrte sie auch das zweite Brot und trank den Rest des Weins.

Eine seltsame Schwere überkam sie, was sicherlich nicht nur auf ihren gefüllten Magen zurückzuführen war. Sie hatte die Seelenschuld des Mannes übernommen und würde sie von nun an bis an ihr Lebensende tragen müssen.

Erstaunt bemerkte sie die Tränen in den Augen ihrer Ziehmutter. War Runhild gerührt, weil sie in ihre Fußstapfen trat?

Die ältere Frau blinzelte. »Manchmal denke ich, ich hätte dich damals besser deinem Schicksal überlassen sollen. Dieses Leben ist nichts für dich.«

Sofort schüttelte Fenja den Kopf. »Mir geht es gut und ich will das hier.« Sie machte eine ausholende Handbewegung, die den ganzen Raum umfasste.

»Die Sünden der anderen in einem verbotenen Ritual zu essen, um ihre Seelen zu retten?« Runhild schnaubte. »Glaubst du wirklich, ich hätte dich das gelehrt, wenn ich einen anderen Ausweg gewusst hätte?«

Sie beugte sich ein wenig vor. In ihrem gesunden Auge schien ein dunkles Feuer zu flackern. »Was denkst du, was mit uns geschieht, wenn ein übereifriger Kirchenmann unsere Witterung aufnimmt?«

Runhild bekreuzigte sich. »Dem Herrn sei gedankt, dass dieser fanatische Inquisitor aus Marburg letztes Jahr ermordet wurde und die Scheiterhaufen für Ketzer wie uns vorerst nicht mehr so schnell auflodern. Dennoch müssen wir immer auf der Hut sein. Wir lassen uns jetzt entlohnen und ziehen weiter.«

Wenn Runhilds Lippen zu einem Strich wurden, war Auflehnung zwecklos. So zuckte Fenja bloß mit den Schultern und stieß die Tür des Anbaus auf, in dem die Familie ihr ehemaliges Oberhaupt aufgebahrt hatte. Draußen wurden sie bereits erwartet.



D er Sohn des Kaufmanns, ein breitschultriger Mann, der eine rote Tunika trug, hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Seine magere Frau, gut zwei Köpfe kleiner als er und mit kummervollem Gesichtsausdruck, stand neben ihm und hatte sich das jüngste der fünf Kinder auf die Hüfte gesetzt. Es zupfte mit ungeschickten Fingern an ihrem Gebende, dessen Leinenstreifen fest um Ohren und Kinn geschlungen war.

»So ist es vollbracht?« Die harte Stimme des Hausherrn ließ Fenja aufmerken. Sie hätte schon ein wenig mehr Dankbarkeit erwartet, zumindest aber Erleichterung, weil das Seelenheil seines Vaters gerettet worden war.

Runhild nickte knapp und streckte die Hand aus. »Nun erfüllt Euren Teil des Handels.«

Der Mann entnahm dem Lederbeutel an seinem Gürtel zwei Münzen und reichte sie Runhild.

»Wir hatten den doppelten Preis vereinbart.«

Die Mundwinkel des Mannes wanderten nach unten. »Die Kosten für das frische Brot und den Wein muss ich euch natürlich abziehen.« Sein Kopf ruckte in Richtung Stall. »Der Rest des Lohns wartet da hinten auf euch.«

Runhild straffte sich. Schnell legte Fenja ihr die Hand auf die Schulter. »Nicht bei diesem Mann«, flüsterte sie.

Hin und wieder wurde ihnen der vereinbarte Sold nicht gezahlt. Meist gelang es Runhild mit ausgestoßenen Drohungen und Verwünschungen ihn dennoch zu bekommen, doch hier ahnte Fenja, dass Widerstand gefährlich wäre. Dem Kaufmann traute sie durchaus zu, sie dem nächsten Geistlichen zu melden. Behutsam zupfte sie an Runhilds Ärmel. »Lass uns sehen, was er uns anbietet.«

»Etwas, das er nicht gebrauchen kann«, brummte Runhild, folgte Fenja aber dennoch, als sie auf den Stall zulief.

Die schwere Holztür knarrte leise beim Öffnen. Der Geruch nach Schafen und muffigem Stroh schlug Fenja entgegen. Im Halbdunkel konnte sie zunächst nichts erkennen. Rüde drängte der Kaufmann sie zur Seite. Er schritt an dem leeren Verschlag vorbei, dessen Bewohner noch auf der Weide waren. Daneben befand sich ein kleiner, mit frischerem Stroh ausgelegter Platz, auf dem eine mittelgroße Hündin mit kurzem rötlichem Fell lag. Vier Welpen winselten, jaulten und purzelten aufgeregt durcheinander. Spielerisch bissen sie sich gegenseitig in die Schlappohren und versuchten einander umzuwerfen.

»Wie niedlich«, entfuhr es Fenja. Sie hockte sich hin und streckte die Hand aus. Sofort kam einer der Welpen auf sie zu. Sein dunkelbraunes Fell schimmerte in dem Licht, das durch die Ritzen der Bretterwand fiel. Fenja bemerkte den weißen Fleck auf der Stirn. Der Welpe schnupperte an ihren Fingern und begann sie abzulecken.

Fenja kicherte und blickte zu dem Mann hoch. »Ihr meint, ich soll mir einen aussuchen?«

Zu ihrer Überraschung schüttelte er den Kopf. »Nein, du darfst nicht wählen. Ich zeige dir den Welpen, den du haben kannst. Nimm ihn oder lass es bleiben. Mehr wird es nicht geben.«

Er machte einen großen Schritt zwischen die Hundeschar, die quiekend auswich, und griff hinter ein Bündel Stroh. Sogleich hörte Fenja ein heiseres Knurren. Mit einer Hand fest die Schnauze des Welpen umklammernd, die andere unter seinen Leib geschoben, drehte der Mann sich um. Fenja erhob sich und starrte auf den Hund, der sie aus trüben Augen musterte. Er war etwas größer als die anderen, doch sein Fell war stumpf. Sofort bemerkte Fenja die eitrige Wunde am Vorderlauf.

»Deshalb wollt Ihr ihn mir überlassen, weil er für Euch nicht von Nutzen ist.«

»Wenn du ihn heilen kannst und es dir gelingt ihn zu zähmen, dann wird er dich immer beschützen und sein Leben für dich geben.«

Fenja nickte, was hätte sie auch anderes tun sollen? Runhild hingegen schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als der Kaufmann mit dem roten Bündel auf den Armen an ihren Handkarren trat und den Welpen dort hineinlegte. Kaum hatte er die Hand um den Fang gelöst, versuchte der Kleine nach ihm zu schnappen.

»Wie sollen wir den denn durchfüttern? Wir haben selbst oft nicht genug«, schimpfte Runhild, und ihr gesundes Auge musterte Fenja streng.

»Wenn er überlebt, wird er sich sein Futter selbst suchen können und vielleicht fällt für euch dann auch der ein oder andere Braten ab«, grinste der Kaufmann hämisch.

»Ihr wisst ebenso gut wie wir, was uns mit einem wildernden Hund blüht.«

Der Mann zuckte mit den Schultern. »Ihr dürft euch bloß nicht erwischen lassen. Außerdem steht ihr mit eurer Sündenesserei ohnehin außerhalb der christlichen Gemeinschaft.«

Runhild kniff die Lippen zusammen. Wortlos bedeutete sie Fenja einen der beiden Griffe zu packen. Gemeinsam zogen sie den kleinen vierrädrigen Karren vom Hof, in dem ihr ganzer Besitz untergebracht war.

»Großartig«, knurrte Runhild. »Dafür hast du deine Seele beschmutzt - für ein paar Münzen und einen kranken Hund.«

»Er wird wieder gesund werden«, antwortete Fenja zuversichtlicher, als sie sich fühlte.

»Natürlich wird er das«, bestätigte Runhild. Tief atmete sie durch. »Der Kaufmann hat recht, der Hund wird tatsächlich für uns jagen können.«

»Erinnerst du dich an das Pferd des Kreuzfahrers, dessen Sohn du vor einigen Monaten geheilt hast?«, fragte Fenja. »Ich werde den Rüden Rufus nennen, nach dem roten Hengst mit dem glänzenden Fell.«

»Noch sieht seins aber ziemlich struppig aus«, warf Runhild brummig ein.

»Das wird sich ändern. Du wirst sehen, der heutige Tag war ein glücklicher für uns.«

Ihre Ziehmutter antwortete nicht, doch es stahl sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen.


Die Sündenbraut

Historischer Roman

HarperCollins
414 Seiten
ISBN: 978-3-95967-428-7
Taschenbuch: 11,00 Euro
E-Book: 8,99 Euro


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