Buchcover von meinem Roman Die Sündenbraut. Im Hintergrund liegt eine mächtige Burg auf einem umwaldeten Hügel.

"Die Sündenbraut"

Mitreißende Mittelalterromane mit Herz und scharfer Zunge

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Die Sündenbraut

Leseprobe

Eine junge Frau, getrieben von Rache, auf der Suche nach Glück




D er Windhauch, der durch die Maueröffnung fegte, blies die Hälfte der Kerzen aus. Die verbliebenen beiden flackerten heftig, warfen zuckende Schatten auf die Wand und zeichneten den verschwommenen Umriss eines Mannes nach, der sich über einen Brief beugte.

Das Pergament knisterte leicht, als er es mit verkniffenen Lippen zusammenrollte. Fahrig strich er sich über die Tonsur. Sollte die Heilige Jungfrau nach all den Jahren seine Bitten erhört haben? Wie viele Frauen mit einem blinden Auge gab es wohl, die eine Begleiterin im passenden Alter hatten?

Die Namen stimmten nicht überein, aber das hatte er auch nicht erwartet. Er traute der gerissenen Runhild durchaus zu, den Zisterziensern im Georgenthal falsche Namen genannt zu haben. Schließlich war sie seit 17 Jahren erfolgreich vor ihm auf der Flucht.
Doch nun war der Tag gekommen, an dem sie eine Unvorsichtigkeit begangen hatte. Der Bruder, dem sie geholfen hatten, berichtete aus Dankbarkeit den größeren Zisterzienserabteien davon und bat darum, seinen Helferinnen zur Seite zu stehen, sollten sie an die Klosterpforte klopfen.

Er war sicher, dass Runhild niemals wieder in die Grafschaft Sayn reisen, geschweige denn nach Sankt Katharinenberg kommen würde.

Seine Hände begannen zu zittern und er verschränkte die Finger ineinander. Das hölzerne Kreuz auf seiner Brust schien plötzlich schwerer zu werden. Unwillkürlich nahm er es ab und legte es vor sich auf den Tisch. Er musste Gewissheit haben, ob es sich bei der jungen Frau tatsächlich um Fenja handelte. Unruhig schritt er in dem kleinen Raum auf und ab.

Roderich!

Er war der einzige, auf den er sich verlassen konnte. Ihn würde er nach Georgenthal entsenden, damit er die Fährte der beiden Frauen aufnahm - sie aufspürte wie ein Bluthund.

Sein Blick fiel auf das abgenommene Kreuz. Er dachte daran, was er in seinem Leben erreicht hatte. Niemand durfte ihm das nehmen. Seine Lippen verzogen sich zu einem maliziösen Lächeln. Er würde seinen Fehler von damals ausmerzen. Dieses Mal entkam Fenja ihm nicht.



D as Schnauben der Pferde, das Klirren der Waffen und alle anderen Geräusche des Feldlagers vor der lombardischen Stadt Brescia verstummten, als Gerald untertauchte. Einen langen Moment genoss er die Ruhe und Kühle des Wassers, das ihn umgab. Er schwamm einige Züge flussaufwärts, ehe er erneut auftauchte und sich die nassen Haare aus der Stirn strich. Sogleich griff die Augusthitze nach ihm, die sich jetzt am Abend noch nicht verflüchtigt hatte. Er kraulte bis zur nächsten Biegung, drehte sich auf den Rücken und ließ sich von der schwachen Strömung der Mella wieder den Flusslauf hinabtreiben.

Immer wenn er schwamm, dachte er an die nun schon einige Monate zurückliegende Begegnung mit dem Mädchen jenseits der Alpen. Viel mehr als ein schmales Gesicht, umrahmt von schwarzem Haar und Augen, so blau wie ein Gebirgssee, hatte er nicht erkennen können.
Zu gerne wäre er der davoneilenden Maid gefolgt. Doch seine Gewandung hatte zu weit entfernt am Ufer gelegen. Er hatte es nicht bereut, sich zum Schwimmen aus dem Heerlager geschlichen zu haben, sonst hätte er sie nie getroffen. Gerald grinste unwillkürlich. Flink wie ein Wiesel war sie davongestürzt, nachdem sie ihn sicherlich eine Weile beobachtet hatte. Wirklich bedauerlich.

Der junge Ritter beschloss zurückzuschwimmen. Er stutzte, als neben der Stelle, an der er seine Kleidung zurückgelassen hatte, ein Mann hockte. Er trug einen weißen Waffenrock mit einem schwarzen Kreuz auf der Brust. Die hellen Augen musterten Gerald unter buschigen Brauen, während er mit einem Dolch seine Fingernägel säuberte.

Den Ritter des Deutschen Ordens hatte Gerald bereits öfter an der Seite von Heinrich von Hohenlohe gesehen, dem Deutschmeister des Ordens. Jedoch war ihm unverständlich, was der Ritter von ihm wollte.
Mit dem Orden hatte Gerald nichts zu tun und er würde sich auch bestimmt nicht anwerben lassen. Ihn hatte das Geld hierhergelockt, nicht etwa Ruhm, Ehre oder gar der Wunsch, dem Kaiser in seinem Kampf gegen den lombardischen Städtebund beizustehen.

Daheim wartete seine Zukünftige auf ihn.

Schwanhild von Deyssen war hübsch, liebenswert und die perfekte Gemahlin. Vor allem aber brachte sie eine reiche Mitgift in die Ehe. Gerald kannte sie schon seit seiner Kindheit und ihre Väter waren befreundet. Nur aus diesem Grund hatte Diethelm von Deyssen der Vermählung seiner Tochter mit Gerald zugestimmt, der als zweiter Sohn niemals den Familienbesitz erben würde.

Doch vorher musste der junge Ritter beweisen, dass er Schwanhilds würdig war. Der Feldzug des Kaisers bot ihm dazu die Gelegenheit. Er beabsichtigte, als wohlhabender Mann zurückzukehren. Er würde heiraten und nach Diethelms Tod der Herr über die Ländereien derer von Deyssen werden.
Dafür betete er beinahe jeden Abend. Gerald schwamm auf das Ufer zu. Er stieg so weit aus dem Wasser, dass es seine Hüften gerade noch bedeckte, und verschränkte abwartend die Arme vor der Brust.

Der andere erhob sich. »Ziemlich leichtsinnig von Euch, unbewaffnet im Feindesland zu schwimmen.«

»Greift mich an und Ihr werdet erfahren, dass ich mich sehr gut zu wehren weiß. Aber Ihr seid wohl kaum gekommen, um mir das zu sagen.«

Der Ritter verzog keine Miene, als er antwortete: »Der Kaiser will Euch sehen.«

Geralds Nacken wurde heiß. Seit seinem Eintreffen vor zwei Monaten, war er dem Staufer nie näher als 50 Schritte gekommen. Weshalb wollte der Herrscher des Heiligen Römischen Reiches sich plötzlich mit einem unbedeutenden Ritter abgeben? Woher wusste er überhaupt von ihm?
Das war nicht gut. Zwar galt Friedrich als großzügig, wenn ihm ein Dienst erwiesen wurde, aber auch unerbittlich seinen Feinden gegenüber, wie die Bewohner von Brescia gerade am eigenen Leib erfuhren.

»Hegt Ihr etwa die Absicht den Kaiser warten zu lassen? Wie lange wollt Ihr denn noch dort stehen?«

Sofort ließ Gerald die Arme sinken und stieg vollends aus dem Wasser. Mit einem Schmunzeln bemerkte er den Blick des Deutschordensritters, der sich auf das Lederband an seiner Wade richtete, in dem ein Messer steckte.

»Glück für Euch, dass Ihr mich nicht angegriffen habt.«

Der Mann antwortete nicht. Stumm sah er zu, wie Gerald sich anzog. Nachdem er zum Schluss den Schwertgurt umgelegt hatte, winkte der Ritter ihm zu folgen.

Auch ohne Führung hätte Gerald den Weg gefunden, schließlich wusste hier jeder, wo sich das Zelt des Kaisers befand. Dennoch stapfte er wortlos hinter dem Ordensritter durch das Lager.

Viele waren Friedrichs Ruf gefolgt, um ihm in seinem Kampf gegen die Stadt Mailand und ihre Verbündeten beizustehen. Die Stadt verweigerte ihre Unterwerfung und jegliche Verhandlungen waren Ende letzten Jahres gescheitert. Nach Mailands Entschluss zum Widerstand hatten sich schließlich weitere Städte an seine Seite gestellt. Diesen Kern des sogenannten Lombardenbundes galt es nun zu zerschlagen.

Gerald schätzte das Heer auf mehrere tausend Männer aus allen Teilen des Reiches. Hinzu kamen die Kämpfer von Verbündeten und Freunden des Kaisers. Entsprechend groß war der Lärm. Es wurde gestritten, gelacht und gewürfelt. Knappen ölten sorgfältig die Schwertklingen und putzen die Kettenglieder der Rüstungen; oder die Ritter, die keinen hatten, taten es selbst.
Verschiedene Essensdüfte der unterschiedlichen nationalen Küchen mischten sich zu einem undefinierbaren Geruch, der Gerald jeglichen Appetit verschlug. Hunde streunten durch das Lager auf der Suche nach Futter. Einer wich jaulend einem Tritt aus, den ihm eine dicke Frau verpassen wollte, die in dem Kessel über einem Feuer rührte.

Sie passierten die aus Lucera stammenden sarazenischen Bogenschützen und Gerald ahnte, dass ihr Ziel nicht mehr weit war. Als er es zum ersten Mal erblickt hatte, war er von dem verhältnismäßig schlichten, wenn auch großen Zelt des Kaisers überrascht gewesen. Er hatte mit einer erheblich prunkvolleren Unterkunft gerechnet.

Der Ordensritter bedeutete ihm zu warten und trat auf die beiden Wachen zu, die beidseitig des Eingangs standen. Leise wechselte er mit ihnen einige Worte. Einer der Männer verschwand im Inneren des Zeltes, kam kurz darauf wieder heraus und winkte Gerald heran. Er hielt ihm die Zeltplane auf und Gerald trat ein.

Nach einem kurzen Rundblick beugte er das Knie, sah auf das plattgetretene vergilbte Gras und verharrte abwartend in dieser Stellung. Friedrich II. war nicht allein. Gerade sagte er zu einem schwarzhaarigen Mann mit stechendem Blick etwas auf Volgare, der in Sizilien und Apulien vorherrschenden Umgangssprache.
Gerald war sich nicht ganz sicher, glaubte aber, dass es sich bei dem Besucher um Ezzelino da Romano handelte, den Schwiegersohn des Kaisers. Dieser neigte kurz den Kopf und verließ das Zelt.

»Erhebt Euch, Gerald von Aue«, befahl Friedrich.

Gerald stand auf. Er überragte den etwa mittelgroßen Kaiser um einen halben Kopf. Friedrich zeigte auf einen der hölzernen, reich verzierten Faltstühle, die um einen Tisch mit Schachbrettmuster herumstanden und lud ihn ein, sich zu setzen.

Der hintere Teil des Zeltes war Geralds Blicken durch kostbare Stoffe verborgen. Da er dahinter kein Geräusch hörte, nahm er an, mit dem Kaiser allein zu sein.

Sein Herzschlag beschleunigte sich. Wenn Friedrich keine Zuhörer wollte, musste es sich um eine delikate Angelegenheit handeln. Die Kettenglieder ihrer Hemden klirrten leise, als die beiden Männer einander gegenüber Platz nahmen.

Gerald wunderte sich ein wenig, dass der Kaiser im Gegensatz zu vielen anderen im Lager gerüstet war. Ob er einen Ausfall der Bewohner Brescias erwartete? Eigentlich unwahrscheinlich, da sie sich hinter ihren Mauern verschanzt hatten und sich wohl kaum auf eine offene Feldschlacht mit dem Heer einlassen würden.

Friedrich trug einen weißen Waffenrock, auf dessen Brust der schwarze Adler, das Wappentier seines Königreiches Sizilien prangte. Er stützte die Ellenbogen auf dem Tisch ab, legte die Fingerspitzen aneinander und lächelte einnehmend.

Gerald versuchte, sich seine Erregung nicht anmerken zu lassen. Er hatte schon vernommen, dass der Kaiser fähig war, die Mimik und den Ausdruck seines Gegenübers sehr genau zu lesen und zu deuten. Sofern es ihm beliebte, verstand er es äußerst geschickt, jemanden entweder zu beruhigen oder anzuspornen. Aber ebenso konnte seine Laune plötzlich umschlagen und sich sein Zorn einem Gewitter gleich über einem entladen.

Jetzt trübte jedoch kein Wölkchen den Stimmungshimmel des Kaisers, als er sich über das bartlose Kinn strich und Gerald in die Augen sah. »Wir haben Euch aus einem bestimmten Begehren heraus rufen lassen. Wir brauchen für unser Vorhaben einen Mann, der sich in der Grafschaft Sayn auskennt. Uns wurde zugetragen, dass Ihr aus der Gegend stammt. Eure Rüstung und ein mageres Pferd sind Euer ganzer Besitz. Wir vermuten, dass Ihr einem Beutel Gold bestimmt nicht abgeneigt seid.«

Vorsichtig nickte Gerald.

»Was würdet Ihr damit anfangen?«

»Wenn die Summe ausreichend ist - heiraten.«

Auf Friedrichs hochgezogene Augenbrauen hin führte Gerald aus: »Nicht weit vom Besitz meines Vaters gibt es ein Rittergut. Der Herr dort hat nur eine Tochter. Sofern ich gesund und mit gefüllten Taschen von diesem Feldzug zurückkehre, werden wir vermählt.«

»So treibt Euch die Liebe hierher?«

Wie leicht wäre es jetzt gewesen, den Kaiser in dem Glauben zu belassen. Doch ein kurzes Zucken von dessen Lidern warnte Gerald, dem Impuls nachzugeben. So räusperte er sich zunächst, um etwas Zeit zu gewinnen und sich eine geeignete Antwort zurechtzulegen. Nachdenklich rieb er über seine Nasenwurzel, bevor er dem Herrscher offen in die Augen blickte. »Es ist wohl eher das Land, das mich reizt.«

Friedrich schmunzelte. »Bestimmt gelingt es Euch, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Ihr seid ein stattlicher junger Mann und der willensstarke Ausdruck in Euren Augen erinnert uns an den Blick unserer ersten Gemahlin, Konstanze von Aragon.«

Der Kaiser machte eine ruckartige Handbewegung, als wollte er die Geister der Vergangenheit verscheuchen. »Doch kommen wir zu dem Grund, weshalb wir Euch haben rufen lassen.«

Unwillkürlich spannte Gerald die Muskeln an und beugte sich ein wenig nach vorne.

»Es wird Euch nicht verborgen geblieben sein, dass die Einwohner von Brescia sich uns heftig widersetzen. Natürlich wissen wir, dass es innerhalb der Stadtmauern Bestrebungen gibt, sich uns zu ergeben, doch bisher überwiegen die Zweifler an unserer Mildtätigkeit.«

Möglicherweise nicht zu Unrecht, dachte Gerald, hütete sich jedoch, seine Überlegungen auszusprechen.

»Wir setzen modernes Kriegsgerät ein und Brescia zahlt es uns mit gleicher Münze zurück. Die Belagerung zieht sich schon länger hin, als es uns lieb ist und wir wünschen eine schnelle Erledigung der Angelegenheit.«

»Und dazu braucht Ihr mich, mein Kaiser?«

Einen Augenblick lang fiel Friedrichs Maske. Der Staufer lächelte verschlagen. »Über unseren geliebten Schwager, König Heinrich von England, haben wir von einer neuartigen Waffe gehört - dem sogenannten Donnerkraut.«

Verwirrt runzelte Gerald die Stirn. »Das verstehe ich nicht. Wie soll eine Pflanze Euch den Sieg bringen? Plant Ihr die Bevölkerung zu vergiften?«

Friedrich winkte ab. »Es ist keine Pflanze, sondern ein fein gemahlenes, dunkles Pulver, das Donner erzeugen und Mauern zum Einsturz bringen kann. Es ist noch nicht bis zur Vollendung erprobt, aber der englische Alchemist, von dem Heinrich sprach, hat einen Vetter, der in der Grafschaft Sayn lebt und daran arbeitet.«

Gerald dämmerte der Zusammenhang. »Und da ich auch von dort komme wünscht Ihr, dass ich die Alpen überquere und Euch dieses Wundermittel beschaffe?«

»Nur die Rezeptur - sofern es dem Alchemisten gelungen ist, die richtige Mischung herzustellen. Wir verfügen selbst über fähige Alchemisten. Sobald wir das richtige Verhältnis aller Zutaten kennen, werden wir Brescia die ganze Wucht unseres kaiserlichen Zorns spüren lassen. Sowie die Stadt gefallen ist, werden wir uns gegen Mailand wenden und damit sowohl dem Heiligen Vater in Rom, als auch dem Lombardenbund beweisen, dass niemand gegen uns bestehen kann.«
Ein Faustschlag begleitete das Ende seiner Rede, der die Tischplatte erzittern ließ.

Gerald konnte sich nicht vorstellen, dass es ein solches Donnerkraut wirklich gab. Andererseits hatte Friedrich überall seine Spione, insofern war sicherlich etwas Wahres an dieser geheimnisvollen Erfindung.

»Wo finde ich diesen Alchemisten?«

»Er soll in Blankenberg ansässig sein. Ist Euch der Ort ein Begriff?«

»Selbstverständlich, dort befindet sich eine Burg des Grafen. Ab und an stattet er ihr einen Besuch ab und ich selbst war schon öfter dort.«

Der Staufer wirkte sehr zufrieden. »Ausgezeichnet. Demnach kennt Ihr Euch in der Siedlung bestens aus. Es ist nämlich von allergrößter Wichtigkeit, dass Euer Auftrag geheim bleibt. Niemand darf den wahren Grund Eurer Reise erahnen. Sobald Ihr die Anleitung zur Zubereitung des Pulvers in Händen haltet, kehrt Ihr sofort zu uns zurück.«

»Das bedeutet also, dass nichts auf mich als Euren Boten hinweisen darf. Ich erhalte auch kein Schreiben an den Grafen, mich zu unterstützen?«

»So ist es. Was glaubt Ihr, wird der Papst dazu sagen, wenn ihm zugetragen wird, dass wir gedenken, uns einer solchen Wunderwaffe zu bedienen? Wir werden ein weiteres Mal exkommuniziert.«

»Demnach darf auch Graf Heinrich von Sayn nichts davon wissen? Aber er ist Euch sehr ergeben.«

»Selbstverständlich wissen wir um Graf Heinrichs Treue, aber er ist auch sehr gottesfürchtig. Wir würden ihn in einen Konflikt stürzen und das wollen wir unserem Untertanen nicht zumuten. Ihr müsst dem Alchemisten deshalb die Rezeptur entlocken, ohne dass dieser misstrauisch wird und den wahren Grund Eures Interesses daran erfährt.«

Gerald blies die Wangen auf. Als wenn sich Friedrich auch nur einen Hauch um das Gewissen des Grafen scherte, obgleich er einer der mächtigsten Fürsten im Rheinland war.

»Wir haben nie behauptet, dass es einfach werden würde«, sagte der Kaiser langsam, der Geralds Schweigen offenbar als Zaudern auffasste.

»Das ist es nie, aber wenn die Belohnung stimmt …«

Gerald ließ den Satz unvollendet im Raum stehen.

Friedrich legte einen ledernen Beutel auf den Tisch, in dem es vernehmlich klimperte. »Dieses Säckchen enthält so viele Münzen, wie Euer Schwert und Eure Rüstung wert sind. Beides müsst Ihr hier zurücklassen. Nicht der Hauch eines Verdachtes darf auf Euch fallen, eine Verbindung zu uns zu haben.
Nehmt Euer mageres Pferd und schließt Euch einer Reisegruppe an. Wenn Ihr mit der Rezeptur zu uns zurückkehrt, erhaltet Ihr Rüstung und Waffe zurück und doppelt so viel Gold, wie wir Euch bereits gegeben haben. Damit ist Eure Zukunft gesichert.«

»Und wenn ich es nicht schaffen sollte?«, wagte Gerald einzuwenden.

Der Staufer zuckte mit den Achseln. »In diesem Fall haben wir zumindest keinen monetären Verlust erlitten. Und nun zieht Euch aus. Ihr werdet neue Kleidung erhalten.«



I nstinktiv zog Roderich die Kapuze seines Mantels über den Kopf, als er durch die Pforte schritt und das Kloster Georgenthal verließ. Ein scharfer Wind zerrte an dem Stoff, unter dem er sein Gewand verborgen hatte, das ihn als Konverse der Zisterzienser auswies.

Es war leicht gewesen, Bruder Antonius alle Einzelheiten über die Hilfsbereitschaft der beiden Frauen zu entlocken. Insbesondere war er voll des Lobes über die Güte der Jüngeren.
Natürlich stimmten die Namen nicht, und Roderich vermutete, dass sie dem Mönch ein falsches Reiseziel genannt hatten. Aber zwei wichtige Anhaltspunkte hatte er bekommen: Die junge Frau war schwarzhaarig, wie sein Auftraggeber gehofft hatte, und sie wurden von einem großen Hund mit rotem Fell begleitet.

Es sollte schon mit dem Teufel zugehen, wenn er ihre Fährte nicht finden und beide überwältigen könnte. Hastig bekreuzte er sich, wie immer, wenn sich Satan in seine Gedanken schlich.

Das einzige, was ihm ein wenig Sorgen bereitete war der Hund. Roderich war stark, unerbittlich und in der Lage Menschen zu töten, aber nicht unbedingt kampferfahren. Es mit zwei Frauen und einem Hund gleichzeitig aufzunehmen, wäre nicht ratsam, wenn sein Plan sicher gelingen sollte.
Grübelnd schritt er auf den Baum zu, unter dem er das Bündel mit unauffälligerer Kleidung versteckt hatte. Er musste die beiden Frauen trennen, sie einzeln überwältigen, vielleicht sogar zuerst den Hund töten.

Roderich öffnete den Beutel und zog die braune Tunika hervor. Es würde sich schon eine günstige Gelegenheit ergeben, wenn er ihnen unauffällig folgte. Alles was er tun musste, war zu warten.

Aber zuerst musste er sie finden. Es war sicherlich nützlich, zur Heiligen Jungfrau zu beten und auf deren Hilfe zu vertrauen. So setzte er sich unter die Linde, legte die Hände aneinander und bat die Gottesmutter ihn bei seiner Mission zum Wohle seiner Ordensgemeinschaft zu unterstützen.


***


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Die Sündenbraut

Historischer Roman

HarperCollins
414 Seiten
ISBN: 978-3-95967-428-7
Taschenbuch: 11,00 Euro
E-Book: 8,99 Euro


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