Buchcover von meinem Roman Die Sündenbraut. Im Hintergrund liegt eine mächtige Burg auf einem umwaldeten Hügel.

"Die Sündenbraut"

Mitreißende Mittelalterromane mit Herz und scharfer Zunge

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Die Sündenbraut

Leseprobe

Eine junge Frau, getrieben von Rache, auf der Suche nach Glück



Kapitel 1


E s war ein sehr warmer Frühlingstag im Jahr 1238. In der Grafschaft Hohenlohe bog Fenja die noch spärlich belaubten Zweige auseinander. Das Wasser des Sees lag beinahe glatt vor ihr. Dabei hatte sie eben noch geglaubt ein Platschen zu hören. Gerade wollte sie den Ast des Busches loslassen, hinter dem sie sich verborgen hatte, als ein Mann nicht weit vom Ufer entfernt aus dem Wasser auftauchte. Offenbar war er soeben in den See gesprungen.

Im ersten Augenblick wollte Fenja vorsichtig zurückweichen, doch sie konnte sich nicht vom Anblick des Schwimmers lösen. Kraftvoll und scheinbar mühelos zog er seine Kreise. Plötzlich hielt er inne und schien sie direkt anzusehen. Ein kleiner Laut des Erschreckens entfuhr ihr und sie schlug sich die Hand vor den Mund.

Er hatte sie gehört! Zügig schwamm er auf sie zu und richtete sich nur wenige Schritte von ihr entfernt im Wasser auf. Sein Blick tastete die Uferböschung ab. Die sanften Wellen umspielten seinen flachen Bauch.

Wie versteinert betrachtete Fenja den wohlproportionierten nassen Oberkörper und die kräftigen Arme. Die gebräunte Haut glänzte im Sonnenlicht. Das feuchte Haar hatte der fremde Mann locker im Nacken zusammengebunden. Eine etwas zu kühn geschwungene Nase ragte aus dem fein geschnittenen Gesicht mit den ausgeprägten Wangenknochen.

Am meisten faszinierten Fenja jedoch seine Augen. Sie hatten die Farbe von hellem Bernstein, wie er an den Stränden weit im Norden des Reiches zu finden war. Jetzt kniff er sie zusammen und blinzelte.

Würde er Fenja trotz Gegenlicht entdecken? Instinktiv trat sie einen Schritt rückwärts. Das Knacken eines Zweiges unter ihrem Fuß erklang in Fenjas Ohren wie das Schlagen eines Hammers auf einen Amboss.

Sofort richtete der Mann seine Aufmerksamkeit auf den Busch. Eine Wolke schob sich vor die Sonne und Fenja erkannte, wie sich seine Augen weiteten, als sich ihre Blicke kreuzten.

»He, du da, komm raus und zeig dich!«

Fenja ließ den Zweig fahren, drehte sich um und rannte den Weg zurück, als wären einhundert Dämonen hinter ihr her.

»Was ist geschehen?«, rief Runhild, als Fenja bei ihr ankam, sich außer Atem an dem Karren abstützte und Rufus sich sofort an ihr Bein drückte.

»Nichts«, keuchte sie.

»Du siehst aus, als wärst du einem Geist begegnet.«

Fenja war sicher, dass es sich bei dem Mann nicht um einen Wassergeist, sondern einen Menschen gehandelt hatte, trotz seiner ungewöhnlichen Augen. Sie wollte Runhild jedoch nicht von ihm erzählen. »Alles ist gut«, beruhigte sie die ältere Frau. »Ich habe mich lediglich beeilt.«

»Dann lass uns weiterziehen. Ich möchte bis heute Abend noch ein gutes Stück Weg nach Norden zurücklegen.«

Gehorsam zog Fenja mit ihr den Wagen weiter und zwang sich, nicht mehr an den Fremden mit den Bernsteinaugen zu denken.

Wochen später zogen Fenja und Runhild durch die Grafschaft Kevernburg. Der Weg schlängelte sich durch dicht aneinander stehende Tannen. Wenn es dem Sonnenlicht gelang durch das Nadeldach zu dringen, blitzte das Fell des Hundes rot auf.

Rufus sprang voraus, die Nase dicht am feuchten Boden. Er hatte sich zu einem kräftigen Rüden entwickelt, der Fenja bis an den Oberschenkel reichte. Der Pfad stieg leicht bergan und war schwer zu befahren. Die beiden Frauen mussten sich anstrengen, den Karren über den mit Wurzeln durchzogenen Weg zu ziehen, doch Runhild hatte darauf bestanden, das Kloster im Georgenthal weiträumig zu umgehen.

Runhild schnaufte in dem Moment, als Fenja glaubte hinter der nächsten Biegung ein unterdrücktes Stöhnen zu hören. Sie sah zu ihrem Hund. Rufus war stehen geblieben, hob den Kopf und stellte die Ohren auf. Ein leises Knurren kam aus seiner Kehle.

Runhild erstarrte. Sie legte den Finger an die Lippen und ließ den Griff des Handkarrens los. Beinahe lautlos ergriff sie einen starken Ast vom Wegesrand und positionierte ihn hinter einem Rad, damit der Wagen nicht wieder bergab rollen konnte. Sie nahm die eiserne Pfanne vom Wagen und schlich vorsichtig den Pfad entlang, Rufus dicht an ihrer Seite.

Fenja folgte ihnen lautlos. Ihr Blick fiel auf einen etwa faustgroßen Stein. Ein erneutes Stöhnen ließ sie danach greifen. Schnell wischte sie die Erde ab, die an der Unterseite haftete und wog ihn abschätzend in der Hand. Sie war sehr treffsicher und der Stein ein ideales Wurfgeschoss, sollten sie in Gefahr geraten.



D och ihre Vorsicht war unbegründet. Als sie die Biegung passiert hatten, entdeckten sie einen Mönch am Wegesrand. Mit beiden Händen hielt er sein rechtes Bein umfasst. Der Knöchel, der unter dem Saum seiner befleckten, ehemals rein weißen Tunika hervorschaute, war stark geschwollen und begann sich zu verfärben. Runhild ließ die Pfanne sinken.

Der Mann bemerkte sie erst jetzt. Für einen Augenblick vergaß er den Schmerz, als sein Blick Runhild erfasste. Fenja hatte den Eindruck, als wolle er das Kreuz schlagen, doch er besann sich und setzte ein gezwungenes Lächeln auf. »Die Heilige Jungfrau sei gepriesen. Ihr guten Frauen, bitte helft mir, bringt mich hinunter ins Tal. Es soll euer Schaden nicht sein.«

»Wir haben anderes zu tun, Mönch«, zischte Runhild und verschränkte die Arme.

Fenja schätzte den Mann auf Ende Vierzig. Sein hageres Gesicht unter dem dichten schwarzen Haarkranz, der nur wenige graue Strähnen aufwies, sah gütig aus. Sie ließ den Stein fallen und näherte sich ihm. Das schwarze Skapulier, der Überwurf seiner weißen Kutte, verriet den Zisterzienser. In ihrem Gewerbe war es ratsam, sich von der Geistlichkeit fern zu halten. Insbesondere bei Vertretern dieses Ordens wurde Runhild außerordentlich wachsam, ohne dass sie Fenja je den Grund dafür verraten hatte.

Die hellen Augen des Mannes blickten sie bittend an. Fenja fühlte Mitleid in sich aufsteigen.

»Wer seid Ihr?«

Der Mönch machte eine fahrige Handbewegung Richtung Osten. »Ich bin Bruder Antonius, der Cellerar des Klosters Georgenthal. Ich war im Dorf Vitzerod, um unseren Besitz zu inspizieren. Auf dem Rückweg bin ich über eine Wurzel gestolpert und habe mir den Knöchel verdreht.«

Fenja hockte sich neben ihn. »Darf ich mir Eure Verletzung näher ansehen?«

Bruder Antonius gab sein Einverständnis und ächzte laut, als Fenja seinen Knöchel vorsichtig betastete. »Gebrochen ist er nicht«, stellte sie nach wenigen Augenblicken fest. »Wie weit ist es noch bis zu Eurem Kloster?«

»Etwa eine gute Stunde.«

Sie nickte und drehte sich zu Runhild um, die mit mürrischem Gesichtsausdruck das Gespräch verfolgt hatte. »Wir können ihn doch nicht so liegen lassen«, flüsterte Fenja. »Außerdem kann es nicht schaden, wenn er für unser Seelenheil einige Gebete spricht.«

Runhilds Mundwinkel wanderten ein weiteres Stück nach unten. »Dein gutes Herz wird uns noch eines Tages das Genick brechen. Also schön, bringen wir ihn ins Tal, aber nur bis vor die Klosterpforte.«

Bruder Antonius´ Augen wurden groß, als die beiden Frauen mit dem Handkarren zurück in sein Sichtfeld kamen. Er lächelte erleichtert. »So wird es natürlich viel einfacher.«

Doch zuvor bestand Fenja darauf, seinen Fuß zu behandeln. Sie kramte zwischen den Tiegeln und Töpfchen auf dem Wagen, bis sie die Arnikasalbe gefunden hatte. Behutsam bestrich sie damit den Knöchel. Anschließend umwickelte sie ihn fest mit einigen Tuchstreifen.

»Es gibt doch sicher einen Bach auf dem Klostergelände?«

»Nicht direkt, aber ganz in der Nähe.«

Fenja war zufrieden. »Kühlt dort den Fuß so oft es geht und lagert ihn hoch. Das hilft dem gestauten Blut in den Körper zurückzufließen.«

Bruder Antonius grinste kurz, als wollte er fragen, wie sie sich das vorstellte, zwischen seiner Arbeit und den Stundengebeten, schwieg jedoch.

»Es ist wichtig«, betonte Fenja deshalb etwas schärfer. »Je öfter Ihr umknickt, desto schwächer werden die Muskeln.«

»Ich werde den Rat an unseren Infirmarius weitergeben«, versprach der Mönch ernst.

Gestützt von Runhild auf der einen und Fenja auf der anderen Seite, humpelte er zum Karren und ließ sich hinten auf die Ladefläche helfen.

»Zum Glück für uns geht es jetzt den Weg wieder runter«, murrte Runhild, als sie den Wagen schweigend Richtung Tal zogen. Auch Fenja war froh, dass sie den schweren Mann nicht den Berg hinaufziehen mussten, denn der Weg zog sich ohnehin lang genug.

Es war früher Nachmittag, als sie Bruder Antonius vor der Klosterpforte absteigen ließen. Obwohl Fenja nicht verstand warum, konnte keine Bitte Runhild dazu bewegen, im Gästehaus eine Pause einzulegen und sich zu stärken. Sie lehnte auch das Empfehlungsschreiben ab, das der Mönch für sie anfertigen lassen wollte, und das ihnen die Hilfe der Zisterzienser zusicherte, falls sie in Not geraten und Zuflucht in einem Kloster suchen sollten.

Lediglich sein Versprechen für das Seelenheil der beiden Frauen zu beten, nahm sie an, sowie den Reiseproviant in Form von zwei Krügen Wein, einem Stück Schinken, Getreide, Hülsenfrüchten und Brot, den Bruder Antonius ihnen noch aufdrängte.

Erst gegen späten Nachmittag hatten sie wieder die Stelle erreicht, an der sie zuvor umgekehrt waren, um ihren ursprünglichen Weg fortzusetzen. Herzhaft biss Fenja in einen der Schmalzkringel, die Antonius ihr zugesteckt hatte.

»Weshalb hast du ihm gesagt, wir reisen nach Reinhardsbrunn, um am Grab des Thüringischen Landgrafen zu beten?«, fragte sie Runhild.

Ihre Ziehmutter erlaubte sich ein kurzes Grinsen. »Es wäre verdächtig gewesen kein Ziel anzugeben. Außerdem wollte ich ihn ein wenig aufziehen. Ich weiß, dass die Benediktiner dort ursächlich für die Verlegung seines Zisterzienserklosters vom Berg ins Tal verantwortlich waren.«

»Ich verstehe ja, weshalb du Fremden unsere Taufnamen nicht verraten willst, aber warum hast du den Geistlichen belogen? Bruder Antonius ist ein ehrenhafter Mann. Vielleicht können seine Gebete für unser Seelenheil jetzt gar nicht erhört werden.«

Augenblicklich wirkte Runhild wieder verschlossen. »Der Herr wird unsere Namen schon kennen, sofern der Mönch sein Wort hält und wirklich für uns betet.«

Fenja erstickte ihren Seufzer mit einem erneuten Biss in das fettige Gebäck. Eines Tages würde es ihr schon gelingen, Runhild die Wahrheit über ihre Angst vor Zisterziensern zu entlocken.


Die Sündenbraut

Historischer Roman

HarperCollins
414 Seiten
ISBN: 978-3-95967-428-7
Taschenbuch: 11,00 Euro
E-Book: 8,99 Euro


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